Tourismusprojekt Schönheide/Carlsfeld

PK 6/2009 | PK 3/2010 | PK4/2010

Vierstufiges Entwicklungsprogramm

Am 23. Juni 2009 wurde es erstmalig der Öffentlichkeit vorgestellt, regionale Medien berichteten in den folgenden Tagen und Wochen über diese Nachricht - in verschiedenen lokalen Veranstaltungen wurde das Vorhaben weiter erläutert - allein ein verständlicher Gesamtüberblick zum Projekt fehlt momentan. Der „Preß´-Kurier“ hat die verfügbaren Informationen zusammengefaßt und unterzieht sie einer ersten Bestandsaufnahme.

Das Projekt
Der offizielle Name lautet „Tourismusprojekt Schönheide/Carlsfeld + Umgebung“ - es faßt vier Projektphasen zusammen, mit denen durch Baumaßnahmen an Anlagen der Regel- und Schmalspurbahnen im „Grenzbereich“ zwischen Vogtland und Erzgebirge eine öffentliche Eisenbahninfrastruktur entstehen soll, die die bereits vorhandenen touristischen Angebote an den Bahnstrecken (Museumsbahn Schönheide, Bahnhof Carlsfeld, „Wernesgrüner Schienen-Express“, Bahnhof Schönheide Süd) untereinander verbinden und insbesondere die weiteren touristisch relevanten Ziele und Attraktionen verknüpfen kann.

Hintergrund und Zielstellung
Die Erkenntnis, daß der Tourismus in der attraktiven Region von Erzgebirge und Vogtland eine wirtschaftlich fundierte Basis für die Region bieten kann, hat sich in den letzten Jahren bei vielen Regionalpolitikern bereits durchgesetzt. Allein über das Wie und Wer, über die Zuständigkeiten und die Nutznießer von Förderungen drehte sich ein jahrelanger Verharrungsprozeß. Mit der Gemeindegebiets- und Kreisreform änderten sich 2008 einige Zuständigkeiten und Betrachtungen von Zusammenhängen. Zwar hatten sowohl der Verein Museumsbahn Schönheide e.V. als auch der FHWE e.V. in den vergangenen Jahren nicht nur die dynamische Seite des Verwaltungshandelns kennengelernt, doch nur durch die Unterstützung der Verantwortlichen in den Gemeinden konnte überhaupt manches Projekt angegangen werden - die Rettung des Carlsfelder Lokschuppens in letzter Minute in Zusammenarbeit mit der Stadt Eibenstock durch den FHWE e.V. ist ein beredtes Beispiel dafür.

Die Bemühungen zur Errichtung der „Dampfbahn-Route Sächsische Schmalspurbahnen“ seit 2006 fielen da in und um Schönheide herum natürlich auf interessierten Boden, war der Ort doch einst aufgrund seiner zahlreichen Bahnhöfe und Stationen für Eisenbahnfreunde immer ein Begriff gewesen. Der beinahe gebetsmühlenartig wiederholte Anspruch einer notwendigen Zusammenarbeit verhalf zu einer Bewegung zwischen Gemeinden, die sich vorher dank dazwischen liegender Berge und Wälder nicht allzu viel sagen brauchten. Bei den Bauplanungsbüros M+K sowie BRZ Infrastrukturmanagement und -consulting wurden Voruntersuchungen in Auftrag gegeben, die eine Nutzung der früheren und der noch bzw. schon wieder bestehenden Schienenstrecken für ein „Tourismusnetzwerk“ untersuchen sollten.

Die Ergebnisse der Studien, die im Sommer 2009 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert wurden, sehen in einem rund um die Eisenbahnen aufzubauenden Tourismusnetzwerk gute Entwicklungschancen. Die Erkenntnis, daß sie ihre jeweiligen „Randregionen“ nicht ohne Entwicklungsperspektive lassen dürfen, hat auch bei den Chefs der nahe Schönheide aufeinandertreffenden Landkreise „Vogtlandkreis“ und „Erzgebirgskreis“ eine Zustimmung zu gemeinsamen Handeln entstehen lassen und das Zusammenfinden der Bürgermeister sicher beschleunigt. Artikuliertes Ziel ist, die Eisenbahnstrecken der Region Schönheide bis 2015 als Rückgrat dieses Tourismusnetzwerkes zu entwickeln. Drumherum soll eine Tourismuslandschaft entstehen, die mit ihren Angeboten für Urlauber ein attraktives Zielgebiet schafft.

Der Projektträger
Von Anfang an ist das Projekt ein Entwicklungs- und Finanzierungsvorhaben der beiden Landkreise und der umliegenden Gemeinden mit Schönheide im Zentrum. Man versicherte sich zwar der Unterstützung durch die Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft und des Organisationsbüros der „Dampfbahn-Route“, doch die Organisation liegt beim extra dafür gebildeten Koordinierungsbüro der Gebietskörperschaften. Inwieweit für den weiteren Fortschritt eventuell eine eigenständige Projektentwicklungsgesellschaft geplant ist, war bisher nicht öffentlich bekannt geworden. Auch die beiden aktiven Eisenbahnvereine Museumsbahn Schönheide e.V. und der Förderverein Historische Westsächsische Eisenbahnen e.V. sind nicht direkt in die zentrale Steuerung des Vorhabens, jedoch in die Aktivitäten von Facharbeitsgruppen integriert.

Die Projektphasen
Das „Tourismusprojekt Schönheide/Carlsfeld + Umgebung“ beinhaltet folgende Abschnitte, die nicht zwingend in dieser Reihenfolge umgesetzt werden müssen:

  • Etappe 1: Wiederanbindung der seit 2008 von den FHWE-Zügen „Wernesgrüner Schienen-Express“ genutzten Regelspurstrecke Schönheide Ost - Muldenberg in Muldenberg an das Regionalbahnnetz der Vogtlandbahn.
  • Etappe 2: Wiederaufbau der 1977 eingestellten und abgebauten Schmalspurbahnstrecke zwischen Schönheide Mitte und Schönheide Süd (Wilzschhaus) einschließlich der markanten Muldentalbrücken. (km 28,81 - 34,30 WCd)
  • Etappe 3: Wiederaufbau der 1967 eingestellten Schmalspurbahnstrecke zwischen Schönheide Süd (Wilzschhaus) und Carlsfeld (km 34,30 - 41,63 WCd).
  • Etappe 4: Neubau einer früher einmal geplanten Verlängerung der Schmalspurbahn ab Stützengrün Bürstenfabrik entlang des Kuhberges bis zur Wernesgrüner Brauerei (ca. 3,7 km Länge)

Die Finanzierung
Für das Gesamtprojekt wird auf der Grundlage der Vorstudie ein Gesamtinvestitionsvorhaben von 18,6 Mio. Euro (netto) veranschlagt, die Einzeletappen schlagen nach dieser Kostenschätzung mit folgenden Werten zu Buche:

  • Etappe 1: 0,5 Mio. €
  • Etappe 2: 6,8 Mio. €
  • Etappe 3: 4,8 Mio. €
  • Etappe 4: 6,5 Mio. €

Bevor das Geld in dieser Größenordnung allerdings zur Verfügung steht, haben die Kommunen und Landkreise die entsprechenden Hausaufgaben zu machen und die Förderanträge zu erstellen. Daß eine Förderung aus verschiedenen Projekttöpfen möglich wäre, wurde von Regierungsstellen nicht ausgeschlossen, die Ausgestaltung der tatsächlichen Förderbedingungen wird dann aber noch für genug Kopfzerbrechen sorgen. Außerdem müssen auch die entsprechenden Eigenmittel bereitstehen, was aufgrund des allgegenwärtigen Finanzbedarfs in den Gemeinden zur Sicherung der Pflichtaufgaben kein einfaches Thema werden wird. Erst wenn die Finanzierung steht, kann tatsächlich mit der Projektumsetzung begonnen werden. Zwar ist die Erarbeitung der Planungsunterlagen auch vorher schon möglich, doch müssen die tatsächlichen Bauleistungen in jedem Fall öffentlich ausgeschrieben und vergeben werden.

Langfristiges Betreiberkonzept
Allen beteiligten Vertretern der Kommunen und Landkreise ist augenscheinlich bewußt, daß eine erfolgreiche Antragstellung für Fördermittel an die Vorlage eines auf Langfristigkeit und Wirtschaftlichkeit aufgebauten Betreiberkonzeptes für die Bahnstrecken wie auch für das gesamte Netzwerkmanagement gebunden ist. Über den Bearbeitungsstand eines derartigen Konzeptes sind aber bisher noch keine Informationen an die Öffentlichkeit gedrungen.

Die Knackpunkte
Für die Gemeinden, allen voran Bürgermeister Kai Wilhelm aus Schönheide, besteht die vordergründige Aufgabe momentan darin, die Einwohner der Orte für das Projekt zu begeistern und mögliche, das Planungsverfahren eventuell hemmende Einwendungen, bereits im Vorfeld zu erkennen. Besonders im Streckenabschnitt zwischen Schönheide Mitte und Wilzschhaus gibt es einige problematische Schnittstellen mit bebauten oder anderweitig genutzten Grundstücken. In den Vorstudien wurden für besonders neuralgische Punkte bereits alternative Streckenführungen vorgeschlagen. Und auch die allgemeine öffentliche Meinung ist natürlich insbesondere für die spätere Zustimmung zur Eigenanteilsfinanzierung von großer Bedeutung. In den vergangenen Wochen wurden in Schönheide mehrere öffentliche Veranstaltungen zur Vorstellung des Projektes durchgeführt, bei denen sich eine mehrheitliche Unterstützung des Vorhabens abzeichnete.

Bestandsaufnahme
Dem Autor dieser Zeilen fällt es nicht schwer, sich mögliche Effekte aus einem erfolgreich umgesetzten Projekt vorzustellen. Die Vielfältigkeit der Projektaufgaben bietet auch beste Ansatzpunkte für unterschiedlichste Vermarktungsideen. Die technische Machbarkeit dieser Vorhaben steht außer Zweifel. Jede der genannten Etappen bietet sicherlich besondere Herausforderungen, aber praxiserprobte und realisierbare Lösungen werden sich überall finden lassen. Allerdings haben sich die Projektinitiatoren für die Realisierung des Vorhabens unter einen Zeitdruck gesetzt, der nicht nachvollziehbar ist.

Inwieweit die in Presseveröffentlichungen genannte Jahreszahl 2015 für die Gesamtfertigstellung von den Verantwortlichen tatsächlich ernsthaft verfolgt wird, ist allerdings nicht bekannt. Allein die Finanzausstattung der Gemeinden läßt daran zweifeln, ihrerseits für die Eigenanteile des Projektes das notwendige Durchhaltevermögen aufzubringen. (Das Beispiel der Stadt Jöhstadt zeigt, daß es einer Kommune - aus den verschiedensten Gründen - nicht gelingt, trotz unbestrittener Ausstrahlung der Museumsbahn im Preßnitztal eine kontinuierliche, planbare und nicht nur symbolische Unterstützung zu gewähren.) Auch die benannten Investitionssummen für die Teilprojekte lassen eine sehr enge Kalkulation vermuten - eventuell auch unter Einbeziehung von kostengünstig zu erbringenden Leistungen der Vereine. Daß dies nicht ausgeschlossen ist, beweisen die bisherigen Projekte der beiden Eisenbahnvereine in Schönheide. Allerdings ist dann auch wieder die Frage nach dem möglichen zeitlichen Horizont zu stellen.
Der „Preß´-Kurier“ wird den Fortschritt zu diesem interessanten Projekt kontinuierlich beobachten und darüber weiter berichten.
Jörg Müller

Quellen
Der Artikel basiert ausschließlich auf öffentlich zugänglichen Informationsquellen:

  • Zeitungsartikel (u.a. Freie Presse 23. Juni + 2. Dezember, Vogtlandanzeiger 27. Juni 2009)
  • „Via Wilzschhaus“ - Informationsblatt der Arbeitsgruppe Koordinierung
  • Informationen der Einwohnerversammlungen in Schönheide, 17. November und 2. Dezember 2009


PK 3/2010

Schwierige kommunalpolitische Entscheidungsabläufe

In Ausgabe 111 (6/2009) stellte der PK das „Tourismusprojekt Schönheide/Carlsfeld + Umgebung“ auf der Basis öffentlich zugänglicher Quellen ausführlich vor. Inzwischen gibt es, wiederum resümierend aus vorliegenden Veröffentlichungen und den Ergebnissen öffentlicher Veranstaltungen in den Gemeinden, verhaltene Fortschritte zu vermelden.

In den Kommunen Steinberg, Muldenhammer, Grünbach, Stützengrün, Eibenstock und Schönheide läuft seit einigen Monaten ein intensiver Klärungsprozeß innerhalb der Gemeindevertretungen, ob und wenn ja wie dieses Projekt unterstützt werden kann. Interessanterweise scheint sich mit der Gemeinde Steinberg (u.a. mit den Ortsteilen Wernesgrün und Rothenkirchen) gerade der Ort am intensivsten zu engagieren, der nach bisheriger Zeitplanung des vierstufigen Konzeptes erst im letzten Abschnitt von dem Projekt direkt betroffen ist. Der Steinberger Gemeinderat jedenfalls bekannte sich Ende Mai dazu, sich den Hut für die notwendige Projektorganisation aufzusetzen und die erforderlichen Förderanträge zu stellen. Für das auf drei Jahre Laufzeit befristete Vorlauf-Projektmanagement, dessen Kosten sich auf 236.820 Euro belaufen sollen, muß man bei angenommener 70prozentiger Förderung einen Eigenanteil von 7.694 Euro realisieren, das von den beteiligten Gemeinden zu je fünf Prozent und durch die beiden Landkreise Erzgebirgskreis und Vogtlandkreis mit zusammen 70 Prozent beigesteuert werden soll.

Aufgabe der auf den Einsatz von zwei Mitarbeitern angelegten Projektmanagementstruktur soll es sein, die notwendigen Vorarbeiten für das Gesamtvorhaben zu koordinieren, das Betreiber- und Betriebskonzept aufzustellen sowie die benötigten Vermessungs- und Planungsleistungen zu steuern. Jedoch fällt auch für diese Leistungen noch einmal ein erheblicher „Geldbrocken“ an, so daß die veranschlagten Summen bereits Unterfinanzierung vermuten lassen.

Inwieweit die bisher verabredeten finanziellen Beteiligungen der Kreise und Gemeinden aber tatsächlich realisiert werden können, hängt nicht zuletzt auch von den Zusagen zu Übernahme der Förderung durch den Freistaat Sachsen ab. Im Zusammenhang mit den zu erwartenden Einschnitten in allen Bereichen des „öffentlich finanzierten Lebens“ stellt sich die Frage, ob Sachsen diese rund 165.000 Euro bereitstellen kann. Sparen wird auch vor kleineren Beträgen nicht haltmachen.

Die in informierten Kreisen aus dem Wirtschaftsministerium kolportierten Meinungen nach einer zwingend höheren Beteiligung der Wirtschaft an dem Projekt lassen bereits schlechte Vorahnungen aufziehen. Dementsprechend kann es auch nicht verwundern, daß sich die Gemeinderäte schwer tun, dem Projekt den Startschuß zu erteilen. Anfang Juni brachte die Gemeinderatssitzung in Muldenhammer dieses Dilemma deutlich hervor. Man befürchtet, daß den Gemeinden die Kostenbelastungen über den Kopf wachsen könnten. Mit der GmbH, die das Projekt des Raumfahrtparks in Morgenröthe-Rautenkranz umsetzen sollte, hätte man vor einigen Jahren schon schlechte Erfahrungen gesammelt.

Insgesamt gesehen bewegt sich das durch die Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft maßgeblich unterstützte Vorhaben der Region um Schönheide in schwierigem Fahrwasser. Ein fehlender strategischer Kopf aus der Region mit entsprechender Anerkennung durch alle Beteiligten macht auch die Integration verschiedener Ideen, Einwände und Vorbehalte nicht einfacher. Hinzu kommt die mangels eines Betreiber- und Betriebskonzeptes völlig unklare wirtschaftliche Perspektive des Projektes – eine Finanzierung aus ÖPNV-Mitteln analog der SDG- und SOEG-Strecken erscheint kaum vorstellbar.

Hier wird deutlich, daß das vorschnelle „Verkaufen“ von ungaren Projektideen und unvollständigen Konzepten in der Öffentlichkeit – wie dies durch wahlkämpfende „Parteistrategen“ im Sommer 2009 praktiziert wurde – einem solchen Projekt eher schadet. Die Folgen sind sichtbar: Die wirklich Interessierten rennen nun offenen Vorleistungen hinterher und zerreißen sich bei der argumentativen Überzeugungsarbeit der Gemeindevertreter.
Jörg Müller

    Quellen:
  • Freie Presse, 29./30. Mai 2010
  • Freie Presse, 4. Juni 2010

PK 4/2010

Wernesgrün Hbf - Einsteigen bitte!

Die I K Nr. 54 vor der Kulisse der Wernesgrüner Brauerei. Dieses Motiv, das sinnbildlich für die Etappe 4 des geplanten Tourismusprojektes Schönheide/Carlsfeld und Umgebung steht, kann von den Eisenbahnfreunden zum 1. Brückenfest in Wernesgrün am 28./29. August in den Kamerasucher genommen werden. Doch das Brückenfest will mehr erreichen …

Im Rahmen des Brückenfestes wird zum Einen die Bevölkerung über das Vorhaben, mittels der Reaktivierung der Regelspurstrecke von Muldenberg nach Schönheide (ehem. Teilstück der Strecke Chemnitz - Adorf) und der Schmalspurstrecke von Carlsfeld über Schönheide nach Stützengrün und dann (neu) weiter bis Wernesgrün dem regionalen Tourismus zusätzliche Impulse zu geben, informiert. Eine erste Neuigkeit in diesem Zusammenhang ist der derzeit über das ILE-Programm („Integrierte Ländliche Entwicklung) in Vorbereitung befindliche Stab für das Projektmanagement, der die nächsten Schritte konkret auf Projekt- und Kommunalebene vorbereiten wird. Zum Anderen wird es eine Fachveranstaltung geben, die sich speziell an die Touristiker wendet und diese einlädt, das Projekt für die eigenen Angebote und Produkte der jeweiligen Häuser zu nutzen.

Dies erhält zusätzliches Gewicht vor dem Hintergrund, daß der Freistaat Sachsen derzeit die Tourismuskonzeption überarbeitet und für den Zeitraum bis 2016 neue Tourismusleitlinien festschreibt. Davon betroffen sind nicht zuletzt auch die sächsischen Dampf- und Museumsbahnen, wenn die angedachten Konzentrations- und Benchmarkideen in ihrer bisher im Entwurf vorliegenden Form Umsetzung finden. Die damit einhergehende Konzentration auf großstädtische Gebiete in Sachsen würde viele sächsische Bahnen von einer gezielten touristischen Vermarktung abschneiden.

Welche Impulse jedoch gerade von einer erfolgreichen Vermarktung des Themas Schmalspurbahn ausgehen können, wird ein Gast des Tourismusfrühschoppens am Sonntagvormittag in Wernesgrün besonders gut aufzeigen können: Professor Georg Westermann, der die Untersuchung der von den Harzer Schmalspurbahnen ausgehenden regionalwirtschaftlichen Effekte durch die Fachhochschule Harz geleitet hat, ist dann einer der Diskussionsteilnehmer und kann sicher auch für die sächsischen Projekte wertvolle Hinweise aufzeigen. Dem Aspekt der regionalwirtschaftlichen Entwicklung, die die Schmalspurbahn als kulturhistorisches Gut hat, widmet sich im übertragenen Sinne ein weiteres Fachforum am Sonnabend. Ebenso wie die Schmalspurbahn vor über einhundert Jahren zum industriellen Aufschwung im Westerzgebirge/Vogtland beitrug, soll dies ja bekanntermaßen auch mit dem neuen Tourismusprojekt verbunden sein.

Gleichzeitig werden viele Investitionsvorhaben vor dem Hintergrund verstärkter Bemühungen zur Haushaltskonsolidierung kritischer hinterfragt. Doch so wie damals die Investitionen in die Schmalspurbahnen eine spezifische Lösung für eine bestimmte Problemstellung boten, muß auch heute die Frage beantwortet werden, wie Haushaltskonsolidierung und Regionalentwicklung zusammengehen können. Diesem Thema wird sich die Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft (VSW) mit ihrer Veranstaltung „VSW regional“ am Sonnabend im Wernesgrüner Brauereigutshof widmen. Begrüßt werden dort u.a. Vertreter der Landespolitik sowie aus Wirtschaft und Tourismus.

Ach so, Sie fragen sich, warum das ganze Brückenfest genannt wurde? Nun: Zum Einen, weil natürlich mit dem Projekt verschiedene Brücken im übertragenen Sinn, wie z. B. die zwischen historischer Eisenbahn und modernen Tourismusanforderungen, geschlagen werden. Aber auch, weil natürlich für das Vorhaben eine Reihe von Brücken als konkrete Bauwerke wieder neu entstehen müssen. Was die sächsischen Eisenbahnfreunde hierbei als neue Idee nach der I K Nr. 54 erwartet, erfahren Sie beim Besuch des Brückenfestes und im nächsten PK!
Aktuelle Infos: www.via-wilzschhaus.de.
Th. Moldenhauer


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