Schmalspurlokomotiven in SchwarzenbergNanu, wird sich der Leser jetzt fragen, in Schwarzenberg gibt es doch gar keine Schmalspurbahn? Wurden hier etwa IV K-Lokomotiven aus dem nahen Grünstädtel unterhalten? Das Naheliegende ist jedoch nicht die Antwort auf diese Frage. Lokunterhaltung in der NachkriegszeitMit dem bekannten Befehl Nr. 8 hatte die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) den Eisenbahnbetrieb zum 1. Sep-tember 1945 den deutschen Eisenbahnern übergeben, die Arbeit der deutschen Eisenbahnen in der SBZ (Sowjetische Besatzungszone) unterlag jedoch weiterhin der Gesamtleitung und Kontrolle der SMAD. Darunter fiel die Leistung von Reparationen, wie die Demontage aller elektrifizierten Strecken in der SBZ wie auch die Gestellung von Lokomotiven für die Beförderung von Reparationszügen. Diese wurden zu Lokomotiv-Kolonnen zusammengefaßt, welche auf festen Linien verkehrten. Über 800 Lokomotiven standen am 1. Oktober 1945 dafür zur Verfügung, die zudem in Ausbesserungswerken bevorzugt zu behandeln waren. Diese konnten somit, falls sie nicht in Trümmern lagen, ihre eigentlichen Aufgaben für die Deutsche Reichsbahn nur sehr mangelhaft ausführen. Die Instandsetzung von Schmalspurlokomotiven für den nur eng begrenzten regionalen Einsatz genoß in den Raw keine Priorität. Die Reichsbahndirektionen Dresden mußte sich also anders behelfen und geeignete Anlagen suchen, die die Aufarbeitung von Schmalspurlokomotiven zuließen. Wer sucht, der findet Aue (Sachs.), den 7.8.1946 Betr. Schmalspurlokausbesserung Von unserer russischen Besatzungsmacht wurde bestimmt, daß Schmalspurloks wegen anderweitiger Ausnutzung der RAW, in diesen nicht mehr ausgebessert werden dürfen. Daraufhin teilte uns MA Zwickau im Juli 1946 mit, daß hier im Bw Aue zusätzlich L3 Schmalspurlokausbesserungen mit ausgeführt werden sollen und die erforderlichen Vorbereitungsarbeiten und Organisation für die Einrichtung einer solchen Werkabteilung sofort in Angriff zu nehmen sind. Betr. Besprechung über L3 Schmalspurlokausbesserung durch Bw Aue am 6.8.1946 Vom Bing. wurde zunächst aufgegeben am 15.08.46 mit der Ausbesserung von Schmalspurlok zu beginnen. Gleichzeitig wurde von ihm zugesagt Schmalspurhebeböcke, eine Kleindrehbank und einen Gießofen mit Vorrichtungen und Schablonen zum Schmalspurloklagern ausgießen vom Bw Zwickau in Schwarzenberg aufzustellen. 5 komplette Schlosserwerkzeuge vom Bw Zwickau, 3 desgleichen vom Bw Werdau, 4 vom Bw Glauchau und 3 vom Bw Aue sollen für die Schmalspurlokausbesserung nach Schwarzenberg zugewiesen werden. Eine große Drehbank zur Radsatzbearbeitung und ein Dieselkompressor für Kesselschmiedearbeiten wurden vom Bing. nach Schwarzenberg auch in Aussicht gestellt. Außerdem werden dann noch gebraucht: eine Buchsenpresse, ein Straßmannbohrwerk, eine Vorrichtung zum Zylinder ausbohren, ein Lufthammer mit Spezialwerkzeugen für Kesselschmiedearbeiten, Schneidbohrer und Reibahlen zum Stehbolzen austauschen, Rohrwalzen und Rohrschneider zur Heiz- und Rauchrohrbearbeitung der Schmalspurloks, eine elektrische Handbohrmaschine und div. Spiralbohrer, Meßwerkzeuge zum Rahmenvermessen, dazu ein doppelter Winkel und eine 30 m lange Seideschnur, ein Autogen-Schweißentwickler mit einem Satz Schweiß- und Schneidbrennern, eine Handpumpe zum Abdrücken von Rohren usw., zwei Schublehren 200 und 120 mm Schenkellänge, ein Stichmaß für Radabstände auf der Achswelle zu messen, eine Radreifenumrißlehre, eine Schiebereinstellehre, Innen- und Außentaster zum Zylinder- und Schieberbuchsen messen, ein Achs- und Stangenstichmaß und einen Satz Fühllehren zum Messen bei der Stangenlagerbearbeitung auch eine Vorrichtung zum Ausrichten der Gradführung und zum Anreißen der Schieberkreuzköpfe sind nötig. Spezialschraubenschlüsseln, einige Vorschlaghammer, für die Schmiede einen Federhammer mit etwa 10 kg Bärgewicht werden noch gebraucht. Nach der Besprechung wurde gegen 12 Uhr eine Ortsbesichtigung im Bw Aue und Lokbahnhof Schwarzenberg vorgenommen. Im Kraftwagen fuhr außer dem Bing. und dem Gruppenwalter vom Bw Aue der Dienstvorsteher und der C-Gruppenleiter mit nach dort. Es wurde da festgestellt, daß der geeignete Ort für die Schmalspurlokausbesserung im Lokschuppen ist. Der technische Leiter vom Lokbf. Schwarzenberg Reichsbahn-O.S. Deidock übernimmt zur Unterstützung für das Bw Aue, von wo aus die L3 Ausbesserung geleitet werden soll, die technische Aufsicht vor Ort. Der Handwerker im Werkführerdienst Gruß, der in Schwarzenberg wohnt, wird mit noch etwa 5 Schlossern vom Bw Aue, die nahe Schwarzenberg wohnen, voraussichtlich am 12.8.1946 mit den vorbereitenden Arbeiten der Schmalspurlokausbesserung in Schwarzenberg beginnen. Weitere 10 Schlosser aus der Nähe Schwarzenbergs sollen bis dahin noch dort eingestellt werden. Schon am 8.8.1946 wird von der E-Gruppe des Bw Aue das in Schwarzenberg vorhandene Hebezeug mit Laufkatze und Flaschenzug überholt und gleichzeitig die schon jetzt vorhandene schadhafte Drehbank betriebsfähig hergerichtet werden. Wenn der Platz dafür freigemacht worden und die 10 Schraubstöcke von den bereits angeführten Bw in Schwarzenberg eingetroffen sind, werden auch zwei Werkbänke mit den Schraubstöcken im Lokschuppen Schwarzenberg am vorgesehenen Platz für die Schmalspurlokausbesserung aufgestellt. Dem Bw Aue wurde aufgegeben, den Organisations-, Arbeitsverteilungs- und Fristenplan für den Beginn der Schmalspurlokausbesserung in Schwarzenberg rechtzeitig aufzustellen und der technische Leiter von Schwarzenberg soll dazu verantwortlich, behilflich sein.
Vom Bw Aue wurde um baldige Zuweisung aller für die Schmalspurlokausbesserung nötigen Vorschriften sobald als möglich gebeten.
Gegen 15.30 Uhr ging die Fahrt im Auto zurück nach Aue und weiter nach Zwickau. Die Arbeit beginntNun war der Schwarzenberger Lokschuppen in keinster Weise für Arbeiten an Schmalspurlokomotiven ausgerüstet, es gab ja nicht einmal ein 750 mm Gleis! Was geschah also in den folgenden Tagen mit 99 644? Da der Schmalspurtransportwagen ja dringend anderweitig gebraucht wurde, mußte die Lok abgeladen werden. In Ermangelung eines Kranes wurde hierzu ein Flachwagen behelfsmäßig mit Gleis versehen und die Lok auf den Behelfswagen gefahren. Dieser verschwand sodann hinter den Toren des Lokschuppens auf Gleis 8. Da der Schuppen selbst nicht über eine Werkstatt verfügte, wurde diese im Bereich der Gleise 9 und 10 eingerichtet, später am Lokschuppen durch einen hölzernen Anbau ergänzt. Auf Gleis 8 vollzog sich nun die Hauptuntersuchung, die aufgrund der vorliegenden Betriebsbuchauszüge erhebliche Zeit in Anspruch nahm, waren doch hier solche Arbeiten bisher nicht ausgeführt worden. So fanden sich dann zeitweilig auch zwei VI K zur Hauptuntersuchung in Schwarzenberg. Waren die Arbeiten abgeschlossen, so wurde die Maschine angeheizt und mit eigener Kraft wieder auf den Schmalspurtransportwagen gefahren. Mit der unter Dampf gesetzten Lok ging es anschließend zum Bahnhof Grünstädtel, wo die Lok über die Verladerampe abgeladen wurde. Im Bahnhofsbereich erfolgten anschließend die ersten Fahrversuche bis hin zur Einstellung der Dampfverteilung. Wegen der zu großen Achslast durfte die Lok allerdings den Bahnhofsbereich nicht verlassen. Mit diesen Probefahrten war in der Regel die Hauptuntersuchung abgeschlossen.
Über zwei Jahre lang wurden in Schwarzenberg VI K-Lokomotiven hauptuntersucht, bis der WISMUT-Bergbau im Raum Johanngeorgenstadt andere Prioritäten verlangte. Nun galt wieder der Zugförderung die oberste Priorität. Untersuchte VI K-Lokomotiven im Bw Schwarzenberg
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