Eisenbahn - Geschichte

Dampflokomotiven im Bw Schwarzenberg

Vom 1. März 1949 bis zum 31. Dezember 1955 bestand in Schwarzenberg ein eigenständiges Bahnbetriebswerk, welches hauptsächlich den infolge des WISMUT-Bergbaues stark angewachsenen Verkehr zu bewältigen hatte. Nachdem erste Erkenntnisse zur Lokbeheimatung in Schwarzenberg bereits im Rahmen der Druckschrift „Der Schwarzenberger Lokschuppen“ (VSE 1997) verarbeitet wurden, kann nun nach Auswertung verschiedener Betriebsbücher der Lokeinsatz in Schwarzenberg nahezu vollständig nachvollzogen werden. Maßgeblich daran mitgewirkt hat der im vergangenen Jahr verstorbene Buchautor Eberhard Schramm.

Die nachfolgenden Ausführungen haben wir der Broschüre „Heizhausgeschichten aus dem Westerzgebirge“ entnommen, die der VSE zum 100jährigen Jubiläum des Schwarzenberger Lokschuppens im Mai 2002 herausgeben wird.

Lokomotiven für Schwarzenberg

Zur Bildung eines eigenen Lokbestandes erhielt das Bw Schwarzenberg im Frühjahr 1949 Zuführungen aus anderen Bahnbetriebswerken. Maßgeblich für die Stationierung bestimmter Lokbaureihen war dabei vor allem die zulässige Achsfahrmasse, die für die Hauptstrecke von Zwickau nach Johanngeorgenstadt maximal 18 Tonnen betragen durfte, auf den Nebenbahnen des Erzgebirges jedoch nur 15 Tonnen!

Bis zum Jahresende 1949 mußte das Bw Dresden-Friedrichstadt acht der bisher auf der Müglitztalbahn Heidenau – Altenberg eingesetzten Lokomotiven der Baureihe 84 an das neue Bw Schwarzenberg abgeben. Diese zählten zu den stärksten deutschen Tenderlokomotiven, mit 18 Tonnen Achsfahrmasse konnten sie jedoch nur auf der Hauptstrecke zwischen Zwickau und Johanngeorgenstadt eingesetzt werden. Gebaut worden waren sie 1935 bis 1937 im Zusammenhang mit der Umspurung der Müglitztalbahn von Heidenau nach Altenberg.

Bei der Entwicklung waren folgende Parameter maßgebend:
  • die Lokomotiven sollten auf der Hauptstrecke Dresden – Heidenau mit normalen Reisezügen mithalten können, was eine Höchstgeschwindigkeit von mindestens 70 km/h erforderte,
  • die Lokomotiven sollten Bögen von 100 Meter in Anschlußgleisen problemlos durchfahren können
  • auf den Steigungsabschnitten von 1:27 sollten ausreichende Zugkräfte verfügbar sein, galt doch die Gegend um Altenberg als das Wintersportgebiet direkt vor der Haustür von Dresden.

Zur Prüfung verschiedener Varianten wurden zwei unterschiedliche Typen entwickelt:

  • eine Zweizylinderlok mit zahnradgetriebenen Endradsätzen Bauart Luttermöller
  • eine Dreizylinderlok mit normalem Triebwerk

Geliefert wurden vom BMAG (vormals Schwartzkopf) in Wildau zunächst 84 001 und 84 002 als Dreizylinderlok im Frühjahr 1936, im Herbst folgten von Orenstein&Koppel aus Potsdam die Zweizylinderlok 84 003 und 84 004. Bereits ein halbes Jahr später begannen die Serienlieferungen der Maschinen 84 005 bis 84 012, offensichtlich bestand zu der Konstruktion mit zahnradgetriebenen Endradsätzen doch kein rechtes Vertrauen.

Die Lok verfügten über 13,7 Kubikmeter Wasser- und einen drei Tonnen Kohlevorrat, der zum Befahren der Strecke Dresden – Altenberg ausreichend war. Rechtzeitig zur Betriebseröffnung der Strecke waren alle Lokomotiven ausgeliefert. Sie standen ab 1938 auf der Müglitztalbahn und im Dresdener Vorortverkehr im Einsatz.

Die BR 84 im Westerzgebirge

Für den Einsatz im westlichen und oberen Erzgebirge waren die Lokomotiven der Baureihe 84 nicht ideal. So war es mit dem Wasservorrat nicht möglich, die Strecke von Zwickau nach Johanngeorgenstadt ohne zusätzlichen Wasserhalt zu durchfahren, auch der Kohlevorrat von nur drei Tonnen schränkte ihre Einsatzmöglichkeiten ein. Nicht nur einmal mußten dies Lokpersonale am eigenen Leib erfahren.

Darüber hinaus war die Lok bei schlechter Gleislage und engen Bögen nicht unproblematisch. Allein im Jahr 1956 entgleisten Lokomotiven dieser Baureihe fünfmal mit ihrer spurkranzlosen Treibachse in Gleisbögen mit Radien zwischen 220 und 180 Metern. Im Rahmen von Instandsetzungen und zum Teil infolge Lokmangel wurden häufig Maschinen mit dem alten Heimat-Bw Dresden-Altstadt getauscht, das weiterhin einige Loks auf der Altenberger Strecke einsetzte.

Der Höchstbestand an Lokomotiven der Baureihe 84 wurde 1952 mit elf Maschinen erreicht, nachdem weitere Maschinen aus Dresden zugeführt worden waren. 1953/54 gelangten bis zu vier Maschinen der Baureihe 84 direkt aus dem Westerzgebirge als stationäre Dampferzeuger zur SAG/SDAG Wismut nach Gittersee, da hier für eine in Betrieb gegangene Erzaufbereitung Dampferzeuger großer Leistung benötigt wurden.

Die BR 86 in Schwarzenberg

Bereits 1932 waren mit 86 051, 052, 054 und 055 die ersten Einheitslokomotiven im Lokbahnhof Schwarzenberg stationiert worden. Warum bei den zum Bw Aue gehörigen Lokomotiven eine Beheimatung im Lokbahnhof Schwarzenberg vermerkt wurde, läßt sich leider nicht nachvollziehen.

Mit der Gründung des Bw Schwarzenberg am 1. März 1949 wurden wiederum Lokomotiven der Baureihe 86 buchmäßig vom Bw Aue nach Schwarzenberg umgesetzt. Der Bestand wuchs bis zum Jahresende 1949 auf 16 Maschinen an und nahm anschließend leicht ab. Im Gegensatz zu den 84ern beförderten sie vorrangig Schichtzüge auf den von Schwarzenberg ausgehenden Strecken, hierfür waren sie freizügig einsetzbar.

Die G12

Eine neue Lokgattung gelangte im Frühjahr 1950 mit der Baureihe 58 ins Westerzgebirge, wo sie knapp 30 Jahre später ihren Dienst bei der Deutschen Reichsbahn quittieren sollte. Mit einer Achsfahrmasse von 17 Tonnen war jedoch auch ihr Einsatzgebiet auf die Strecke zwischen Zwickau und Johanngeorgenstadt beschränkt, wo sie die Beförderung der schweren Güterzüge von der Baureihe 84 übernahmen. Der Bestand wuchs auf 18 Maschinen zum Jahreswechsel 1950/51 an, größere Abgänge waren im zweiten Halbjahr 1951 zu verzeichnen, die 58er wurden dabei wieder durch Loks der Baureihe 84 ersetzt.

Andere Baureihen

Von 1951 bis 1953 fanden sich im Betriebspark auch einige dreizylindrige Lokomotiven der Baureihe 56.1, die jedoch die Leistungen der 84er und 58er nicht erreichen konnten und deshalb schon nach kurzer Einsatzzeit wieder abgegeben wurden.

Auch fand sich bei der Auswertung von Betriebsbüchern ein Hinweis für den Einsatz einer Lok der Baureihe 89.2, die jedoch nur zu Rangieraufgaben Verwendung gefunden haben dürfte.
Diesellokomotiven gehörten nicht zum Einsatzbestand des Bahnbetriebswerkes Schwarzenberg, das nahezu ausschließlich auf den Wismut-Verkehr spezialisiert war.

Insgesamt gehörten zu folgenden Stichtagen nachfolgende Baureihen zum Bestand des Bw Schwarzenberg:

Mit der Umwandlung des Bw Schwarzenberg in eine Einsatzstelle des Bw Aue gingen zum 1. Januar 1956 auch nachfolgende Lokomotiven in den Bestand des Bw Aue über

Die Einsatzstelle Schwarzenberg besaß in der Folgezeit zwar noch eigene Lokumläufe, die Stationierung bestimmter Maschinen in Schwarzenberg ist jedoch nicht mehr nachvollziehbar.

Falk Thomas

Literaturtip:
Statistiker seien an dieser Stelle auf die neue Broschüre verwiesen, in der die einzelnen Stationierungsdaten detailliert aufgeführt sind.


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