Preßnitztalbahn aktuell

Oktober/November 2011

Erstmals seit sehr vielen Jahren waren die Monate Oktober und November nicht durch Schneeberäumungsarbeiten beeinträchtigt, deshalb konnte viel intensiver an den verschiedenen Projekten entlang der Strecke, am Fahrzeugpark sowie bei der Vorbereitung langfristig wirksamer Vorhaben zur Attraktivitätssteigerung der Museumsbahn gearbeitet werden. Viele Aufgaben, vor allem der letzteren Kategorie, sind für den Außenstehenden natürlich nicht zu erkennen, aber dennoch von großer Bedeutung. Während die Herbstsaison in diesem Jahr tatsächlich bis zum letzten Tag des Oktobers ausgedehnt wurde, begann der Adventsfahrbetrieb bereits am letzten November-Wochenende. Etwa 31 000 Fahrgäste bis Ende Oktober lassen wieder ein sehr gutes Jahresergebnis für die Museumsbahn erwarten, wenn nicht wie im vergangenen Jahr das Winterwetter dieses noch verhagelt.

Infrastrukturarbeiten
Umfangreiche Arbeiten an den Gleisanlagen zwischen Schlössel und dem Bahnübergang Grumbacher Straße (siehe Beitrag Seite 11) prägten von Mitte Oktober bis Anfang November das Bild entlang der Strecke. Doch auch an den Haltestationen wurde sichtbar gearbeitet.

Der Bahnhof Schlössel hat im November wieder seinen Zeitanzeiger für die Reisenden zurückerhalten. Nach aufwendiger Rekonstruktion konnte die funktionsfähige Wiederherstellung der mechanischen Turmuhr auf dem Dach der früheren Fabrikantenvilla abgeschlossen werden. In den vergangenen Monaten hatte eine Holzscheibe den Platz des Ziffernblattes eingenommen, jetzt kann wieder von zwei Seiten die Uhrzeit erkannt werden.

Nachdem bis Ende September (PK berichtete) die Arbeiten zur Erneuerung der Überdeckung des Regenrückhaltebeckens abgeschlossen wurden, erfolgte im Oktober auch die Wiederherstellung der Streckenfernsprechleitung am Bahnhofsgebäude von Jöhstadt. Für den Bau mußten die Telefonleitungen gekappt werden, da der Anschluß der Betriebsleitung genau über der Baustelle verlief.

In Vorbereitung der Wintersaison wurden alle Bahnsteigbeleuchtungsanlagen einer gründlichen Überprüfung unterzogen und wenn notwendig Leuchtmittel ausgewechselt. Rechtzeitig zum ersten Advent wurden auch die Weihnachtsdekorationen, Lichterketten an Weihnachtsbäumen an den Stationen und Schwibbögen in den Fenstern aller Gebäude der Museumsbahn installiert. Das Förderband am Kohlebansen in Jöhstadt erhielt eine Instandsetzung, da es durch die intensive Nutzung zwischenzeitlich sehr störanfällig geworden war. Bis auf die I K Nr. 54 werden alle Loks damit bekohlt - ist es nicht einsatzbereit, erhöht sich der Bekohlungsaufwand erheblich. Zur Vorbereitung auf die Wintersaison gehört natürlich auch die Überprüfung der Einsatzbereitschaft der Schneeräumtechnik, eine neue handbediente Schneefräse wurde in Ergänzung der Ausstattung neu beschafft.

Am ehemaligen Eisenbahnbeamtenwohnhaus in Steinbach, das in den vergangenen zwei Jahren unter Zugrundelegung energieeffizienter Standards komplett saniert wurde, sind die letzten Feinarbeiten erfolgt. Beide Wohnungen werden ab Anfang kommenden Jahres vermietet.

Während der vergangenen Monate sind auch die Arbeiten zur Sanierung des ehemaligen Bahnhofshotels „Sächsischer Hof“ in direkter Nachbarschaft der Museumsbahn durch die EBB Pressnitztalbahn mbH weiter fortgeschritten. Das Gebäude an der Zufahrt zum Bahnhofsgelände in Jöhstadt wird aufwendig rekonstruiert und soll nach der Fertigstellung einen Großteil der Büros des Unternehmens aufnehmen, die momentan noch im Bahnhofsgebäude untergebracht sind. Nach einer Sicherung der Dachkonstruktion, die im Verlauf des kommenden Jahres erneuert werden soll, erfolgt schrittweise der Innenausbau der Räume im Erdgeschoß.

Zu einer Häufung von mutwilligen Beschädigungen an Anlagen der Preßnitztalbahn ist es in Steinbach im zweiten Halbjahr 2011 gekommen. Zwar deuten zahlreiche Indizien eher auf „Dummejungenstreiche“ hin, jedoch entstand auch schon handfester Schaden, der bis zu einer Beeinträchtigung des Betriebsablaufes hätte führen können. Am ersten Adventswochenende wurde in Höhe des Haltepunktes am Wildbach ein Baumstumpf im Gleis plaziert, der trotz Bremsung durch das Personal noch Beschädigungen an der Lok verursachte. Die Vorkommnisse wurden mit dem Bürgermeister beraten, dieser sagte über den Ortschaftsrat die Unterstützung bei der Ermittlung der Verursacher zu.

Fahrzeuge
Unmittelbar nach ihrem letzten (zusätzlichen) Einsatz im HerbstDampf-Programm auf der Museumsbahn wurde an der Gastlok „Aquarius C.“ mit den Arbeiten für die fällige Kesseluntersuchung begonnen. So wurden die Kesselverkleidung, Armaturen sowie Anbauteile im Führerhaus weitgehend demontiert. Da die Lok noch über eine laufende Fahrwerksfrist verfügt, wurde in Abstimmung mit dem Eigentümer, der EBB Pressnitztalbahn mbH, entschieden, die notwendigen Untersuchungsarbeiten weitgehend in Jöhstadt auszuführen. Möglichst noch im ersten Quartal 2012 sollen mit Unterstützung des Dampflokwerkes in Meiningen die Kesselarbeiten abgeschlossen werden.

Dieser Zeitplan ist auch deshalb notwendig, um die im kommenden Jahr erforderliche Kessel- und Fahrzeuguntersuchung an der IV K 99 1590-1 rechtzeitig beginnen zu können. Die Lok wird vsl. noch bis zum 1. Januar 2012 in Betrieb zu erleben sein. Die V10c 199 008-4 sowie der Schotterwagen 97-24-05 sind gegenwärtig wieder zum Arbeitseinsatz auf der Insel Rügen und unterstützen dort die Gleisbauarbeiten im Bahnhof Göhren. Die V10c war bis Ende Oktober noch auf der Museumsbahn zusammen mit dem Schotterwagen 97-24-06, dessen Hauptuntersuchung kurz vorher abgeschlossen werden konnte, im Bauzugeinsatz anzutreffen.

Die Loks I K Nr. 54 und 99 4511-4 wurden im November winterfest gemacht, d.h. nach einer intensiven Reinigung und dem Auswaschen des Kessels verbunden mit verschiedenen Korrosionsschutzmaßnahmen in der Fahrzeughalle abgestellt. Alle für den Winterbetrieb vorgesehenen Fahrzeuge wurden außerdem einer zusätzlichen Überprüfung unterzogen, um Störungen wegen nicht funktionierender Technik möglichst auszuschließen. Dazu zählte natürlich auch die Überprüfung der Einsatzfähigkeit des Schneepfluges, der für das Winterhalbjahr wieder sein Sommerquartier Schlössel verließ und in Jöhstadt stationiert wurde.

Fahrbetrieb
Das langanhaltende angenehme herbstliche Wetter lockte an den vier HerbstDampf-Wochenenden fast 2600 Fahrgäste in die Züge der Museumsbahn. Den Fahrgästen wurde dabei ein sehr abwechslungsreiches Programm geboten, kam doch an jedem Wochenende mit IV K 99 1590-1, Aquarius C., 99 4511-4 und I K Nr. 54 eine andere Lok zum Einsatz. Aufgrund zahlreicher Nachfragen, Vorbestellungen und der positiven Wetterprognose wurde auch am ursprünglich fahrbetriebsfreien 31. Oktober Zugverkehr geboten. Die Vorbereitungen für den Adventsfahrbetrieb beschränkten sich natürlich nicht nur auf die Fahrzeuge und Infrastruktur, auch die Versorgung des im Zug auftauchenden Nikolaus mit den Kinderüberraschungen erfordert generalstabsmäßige Vorbereitung und mehrtägige Einsätze zum Verpacken der Präsente.

Jahreshauptversammlung 2011

Am 19. November fand die Jahreshauptversammlung der IG Preßnitztalbahn e.V. im Schullandheim von Jöhstadt statt. Rund 60 Vereinsmitglieder (von insgesamt rund 450 Mitgliedern) nahmen an der Veranstaltung teil. Durch den Vorstand wurde Rechenschaft über die Ergebnisse und Vorhaben des Jahres abgelegt. Der Vorstand nutzte auch die Gelegenheit, sich bei den aktiven Vereinsmitgliedern für die Unterstützung und die Mitwirkung an den zahlreichen Vereinsvorhaben zu bedanken.

In der anschließenden Diskussion wurde neben der laufenden Arbeit auch die Vorhaben für das kommende Jahr mit seinen zahlreichen Veranstaltungen sowie die langfristige Planung für die Gestaltung des Bahnhofes in Jöhstadt debattiert. Die Vereinsmitglieder werden voraussichtlich Anfang des Jahres 2012 mit einer Vereinsinformation über die beschlossenen Vorhaben informiert.

Das Wochenende der Jahreshauptversammlung wird traditionell auch immer für die Weiterbildung des Betriebspersonals verwendet. In verschiedenen Themen wurde der Dienstunterricht natürlich auch genutzt, über Neuerungen und Veränderungen in den geltenden Vorschriften und Regelwerken zu informieren. Der Weiterbildung der Dampflokpersonale war dabei wieder ein besonderer Schwerpunkt gewidmet, um den komplexen Anforderungen bei der Bedienung der Dampfloktechnik Rechnung tragen zu können.

Kalenderblatt-Spendenaktion „Wir zählen die Tage“

Die Spendenaktion „Wir zählen die Tage“ geht seit dem 1. Dezember mit dem 2012er Kalender bereits ins vierte Jahr; bis zum Redaktionsschluß dieser Seite haben schon 54 Spender ein Kalenderblatt des Jahres 2012 gebucht. Insgesamt haben damit seit 2009 bereits 719 Kalenderblätter einen neuen Eigentümer gefunden, wofür Spenden in Höhe von 36.856,75 Euro avisiert wurden bzw. bereits beim Verein eingegangen sind. Natürlich hat auch das 2012er Kalenderblatt wieder ein historisches Motiv mit einem Blick vom westlich der Bahnhofsanlage befindlichen Hang. Ende der 1920er Jahre wurde dieses Motiv einer zeitgenössischen Postkarte fotografiert. Interessant ist auch auf diesem Motiv die Belegung der Gleisanlagen des Bahnhofs mit verschiedenen Wagentypen, die zu dieser Zeit den Betrieb auf den Schmalspurbahnen bestimmten. Mehrere aufgebockte regelspurige Güterwagen verdeutlichen die Bedeutung des Bahnhofes Jöhstadt für die Versorgung der Bergstadt mit verschiedensten Materialien. Im Vordergrund ist der Güterschuppen erkennbar, während am Wirtschaftsgebäude neben dem Bahnhofsgebäude noch der zweite Flügel fehlt.

Die Spendenblätter, die in Verbindung mit einem Abreiß-Kalenderblatt zu einem Unikat werden, sind ausschließlich über die Spendenaktionsseite im Internetangebot der IG Preßnitztalbahn unter www.pressnitztalbahn.de reservierbar. Da es jeden Kalendertag natürlich nur einmal gibt, sollte man sich beeilen, wenn man zu einem bestimmten Datum mit persönlichem Erinnerungswert gern das passende Kalenderblatt haben möchte. Noch nicht vergebene Kalenderblätter stehen selbstverständlich weiterhin zur Verfügung, so daß die Chance einer kompletten Sammlung weiterhin besteht. Jeder Spender erhält neben dem Kalenderspendenblatt auch eine Bescheinigung zum Nachweis der Abzugsfähigkeit der Spende von der Steuerschuld beim Finanzamt.

Über die Ergebnisse im Jahr 2011 und die damit verbundenen finanziellen Aufwendungen wurde im PK umfangreich berichtet, auch für das Jahr 2012 sind weitere kostenintensive Arbeiten geplant, die das Ziel der Verlängerung der Preßnitztalbahn bis zum Bahnhofsgebäude von Jöhstadt näher rücken lassen.
JM

Die Reservierung eines Kalender-Spendenblattes zur Spendenaktion ist denkbar einfach. Durch die Menüstruktur wird man mit entsprechenden Hilfestellungen gut geleitet.

  • Schritt 1: Auswahl des gewünschten Kalenderjahres und des konkreten gewünschten Kalenderblatt-Datums - ist dieses schon vergeben, wird dies sofort angezeigt.
  • Schritt 2: Eingabe der notwendigen Kontaktdaten in ein Onlineformular. Mit diesen Daten erfolgt die Kommunikation und das Ausstellen der Spendenbescheinigung. Nach Abschluß der Eingaben erhalten Sie eine Reservierungsbestätigung zum Ausdrucken an die angegebene E-Mail-Adresse zugesandt.
  • Schritt 3: Sie überweisen die Spende auf das angegebene Spendenkonto der IG Preßnitztalbahn e.V.

Gleisunterhaltungsarbeiten mit Stopfmaschineneinsatz

Zwischen dem Bahnhof Schlössel (Kilometer 21,6) und dem Bahnübergang Grumbacher Straße (Kilometer 17,5) fanden vom 1. bis zum 3. November Arbeiten mit der Plasser & Theurer - Stopf- und Richtmaschine der Firma Erfurter Gleisbau statt. Der Einsatz diente vor allem der Wiederherstellung der ursprünglichen Gleislage in den Bögen, dem Richten entsprechend Vorgabe und einer Verfestigungsstopfung des Gleises. Durch den regelmäßigen Eisenbahnbetrieb sind Gleisbögen und Schienenstöße dafür anfällig, aus der Sollage gedrückt zu werden, deshalb muß diese gelegentlich als eine Form der vorbeugenden Instandhaltung an den Gleisanlagen korrigiert werden, auch wenn diese Arbeiten mit einem nicht unerheblichen finanziellen Aufwand einhergingen. Nach dem Stopfgang wurde der im Gleis verbliebene Schotter mit Hilfe des „Bürstels“, einer „Kehrmaschine für Schotter im Gleis“, am Bahndamm profiliert.

Bevor diese Gleisbaumaschinen jedoch zum Einsatz kommen konnten, wurde bei mehreren Arbeitseinsätzen am 15., 16. und 29. Oktober der Schotter mit Arbeitszügen ausgebracht (siehe Foto auf Seite 4 dieser Ausgabe). Dazu erfolgte im Bahnhof Schmalzgrube die Anlieferung von rund 350 Tonnen Gleisschotter, der mit einem Radlader in den Schotterwagen 97-24-06 verladen wurde und dann in einer Lücke des HerbstDampfbetriebes mit der Diesellok 199 008-4 auf die Strecke gebracht worden war. Parallel zu den Schotterarbeiten wurde im Streckenabschnitt zwischen dem Bahnhof Schlössel und dem auf Betonschwellen aufgebauten Gleis die Schienenbefestigung mit der Schraubmaschine nachgezogen und stellenweise ausgewechselt. Am Kilometer 20,9 wurde darüber hinaus ein im Packlager des Bahndammes integrierter und aus Steinplatten gesetzter Entwässerungsdurchlaß repariert, bei dem ein Teil der Steindecke eingebrochen war. Mittlerweile macht sich der „Zahn der Zeit“ an zahlreichen Durchlässen bemerkbar, so daß die kommenden Jahre regelmäßige Sanierungsarbeiten oder auch komplette Erneuerungen an den Bauwerken notwendig werden. Auch Einsätze von Stopfmaschinen werden in regelmäßigen Abständen zur Erhaltung des Streckenzustandes notwendig sein.
Jörg Müller



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