"Rettet die MDR-Bahnzeit"

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Eine gemeinsame Aktion vieler interessierter Fernsehzuschauer wurde gestartet

Am 14. Januar 2010 startete mit der Freischaltung der offiziellen Internetseite zur Aktion www.rettet-die-bahnzeit.de ein bisher in der deutschen Fernsehlandschaft einmaliges Projekt. Zunächst nur für die im Internet aktive Gemeinschaft der Eisenbahnfreunde wurde eine Plattform ins Leben gerufen, um den bereits zuvor angelaufenen Protest Einzelner gegen die Einstellung der Fernsehsendung „MDR-Bahnzeit“ zu bündeln. Diesem Protest soll eine sichtbare Größe gegeben werden, um über die gemeinsame Ansprache weiterer Interessengruppen eine noch nicht dagewesene Unterstützung für eine Fernsehsendung zu organisieren. In einer zweiten Stufe wurden die Abonnenten der Zeitschriften „Der Preß´-Kurier“ und „Dampfbahn-Magazin“ zur Unterstützung der Aktion gebeten. Vorgefertigte „Protestpostkarten“ zum Versand an den Intendanten des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) verstärken seither den öffentlichen Druck auf die Fernsehanstalt.

Das erklärte Ziel der Initiatoren und der Unterstützer ist es, den MDR zur Rücknahme der Entscheidung zur Einstellung der Sendereihe „MDR-Bahnzeit“ zu bewegen. Seit dem Start bekundeten bereits über 2500 Menschen die Unterstützung der Ziele der Aktion und ergänzten diese teils mit umfangreichen eigenen Kommentaren. Erstmals ist es gelungen, daß medienübergreifend Zeitschriftenleser und Internetnutzer für eine Fernsehsendung in die Bresche springen. Kernansatz der ganzen Aktivitäten der Projektinitiatoren ist, ohne polemische oder personenfixierte Anfeindungen einen klaren positiven Anspruch gegenüber dem MDR zu vertreten: Wir wollen, daß die beliebte und notwendige Sendereihe „MDR-Bahnzeit“ fortgesetzt wird!

Ein wesentlicher Ansatz für diese Forderung war die Erkenntnis, daß die Sendereihe nicht nur „irgendeine Eisenbahnsendung“ ist. Vielmehr hat sie in erheblicher Weise dazu beigetragen, den Bekanntheitsgrad für die zahlreichen Eisenbahnprojekte, Bahnen und Museen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zu verbessern. Auch die Wirkung der Sendung außerhalb des heimatlichen MDR-Sendebereichs ist wichtig, um Besucherpotential für die Ziele zu generieren. Unzählige touristische Einrichtungen im Sendegebiet sind die Nutznießer eines höheren Bekanntheitsgrades. Insbesondere in den ländlichen Regionen des Sendegebietes, die sehr wesentlich von der Wirtschaftskraft des Tourismus abhängig sind, ist die Medienwirksamkeit des Fernsehens noch immer unübertroffen. Eine andere Sendung, die diese Aufgabe adäquat übernehmen könnte, gibt es nicht - weder im öffentlich-rechtlichen noch im privaten Fernsehen.

Was ist das Besondere an dem Protest?
Direkt nach Ausstrahlung der vorerst letzten Sendung der „MDR-Bahnzeit“ am 11. Dezember 2009 - mit der Mitteilung zur Absetzung im Abspann der Sendung - gingen beim MDR zahlreiche Protestschreiben und E-Mails ein. In vielen Telefonaten von Freunden der Sendung wurde versucht, Gründe für die Einstellung zu erfahren. Mit der üblichen Routine und wenig aussagekräftigen Antworten reagierte man beim MDR - war man doch sicher, daß der Protest, wie üblich, nach ein paar Tagen wieder abebben würde.

Sehr geehrter …,

wir bedauern wie Sie, dass die Sendung MDR-Bahnzeit nicht fortgeführt werden kann. Leider ist das Sendegebiet des Mitteldeutschen Rundfunks in besonderem Maße von Arbeitslosigkeit und Abwanderung betroffen. So gibt es eine sehr große Anzahl von Menschen, die aufgrund ihrer schwierigen wirtschaftlichen Situation von der Rundfunkgebühr befreit sind. Außerdem gehen jedes Jahr rund 70 000 Menschen als Gebührenzahler, z.B. durch Wegzug, verloren. Das führt zu erheblichen Mindereinnahmen, so dass der MDR zusätzliche Einsparungen vornehmen muss. Davon bleibt das Programm nicht verschont, und leider trifft dies auch die Sendung Bahnzeit. Das tut nicht nur vielen Zuschauern weh, sondern auch den Machern der Sendung.

Mit freundlichen Grüßen

Redaktion Wirtschaft/Verbraucher
MDR FERNSEHEN

Allerdings hatte man sich wohl mit der Annahme verrechnet, daß der Protest schnell wieder vorbei sein würde. Nach der Bitte an die PK-Leser im Heft 111 zu entsprechenden Aktivitäten und auch durch einige ebenfalls auf die Einstellung der Sendung aufmerksam gewordene Internetforen setzte sich der Protest in Richtung MDR auch über Weihnachten und den Jahreswechsel fort. Bis Anfang Januar gingen (nach nicht offiziellen Aussagen aus der Rundfunkanstalt) schon über 350 Protestbekundungen ein. Schon zu diesem Zeitpunkt hatte der Widerspruch gegen die vom MDR getroffene Entscheidung die Dimension einer vorher nicht gekannten Größenordnung erreicht. Ende Januar hatte man bereits einen Postberg von rund 2000 Protestkarten, Briefen und E-Mails zu bewältigen, was jedoch die Aussageschärfe der Antworten (nur auf eingegangene E-Mails) nicht verbesserte:

Sehr geehrter Herr …,

vielen Dank für Ihre erneute e-Mail. Es freut uns, dass Sie sich so engagiert für die Sendung "MDR-Bahnzeit" interessieren. Zu Ihrer Information: Die Sendereihe hatten wir seit 2001 im MDR-Programm. Leider mit sehr schwankendem Erfolg. Da wir dem Sendeformat die Chance geben wollten sich an einem geeigneten Programmplatz zu etablieren, haben wir verschiedene Tage und Uhrzeiten ausprobiert. Leider ist allerdings das gewünschte Ergebnis, die Akzeptanz der Sendung bei den Zuschauern zu erhöhen, ausgeblieben. Nach einer detaillierten Auswertung mussten wir feststellen, dass diese Sendung leider nur einen sehr kleinen Teil unserer Zuschauer ansprach. Vor dem Hintergrund dieser und der bereits genannten Gründe aus unserem ersten Antwortschreiben, haben wir letztlich die Entscheidung getroffen, die Sendereihe "MDR-Bahnzeit" einzustellen.

Wir hoffen, dass diese auch für uns wenig erfreuliche Entscheidung vor dem Hintergrund der aller subsumierten Aspekte auf Ihr Verständnis trifft.

Mit freundlichen Grüßen

Redaktion Wirtschaft/Verbraucher
MDR FERNSEHEN

Protestkartenschreiber und Briefschreiber mit sehr detailliert dargelegten Inhalten warten übrigens bisher vergeblich auf eine Antwort. Auch die Projektinitiatoren Jörg Müller und Helge Scholz wandten sich mit einem Brief unter Verweis auf die große Unterstützung für die Sendung an den Intendanten, Prof. Dr. Reiter, ohne daß bisher eine Reaktion erfolgte. Jedoch blieb nicht unbemerkt, daß inzwischen alle verantwortlichen Stellen des MDR Kenntnis vom Projekt genommen haben.

Der Start der Aktion „Rettet die Bahnzeit!“

Bereits wenige Tage nach Versand des Heftes 111 des „Preß´-Kurier“ am 18. Dezember meldeten sich zahlreiche Leser, einige meinten konkret „… gegen die Absetzung der Sendung müsste man doch mehr machen …“. Dies brachte Überlegungen ins Rollen, bei denen zunächst in mehreren Telefonaten die Möglichkeiten einer konzertierten Protestaktion gegenüber dem MDR sondiert wurden. Weiter ging es natürlich auch um organisatorische und technische Möglichkeiten, ein derartiges Projekt mit der Ansprache möglichst vieler Menschen voranzubringen. Am 22. Dezember entstand das Konzept für die Internetseite und die ersten Schritte des Projektes wurden besprochen. Am Folgetag verständigten sich die Herausgeber und Chefredakteure von „Preß´-Kurier“ und „Dampfbahn-Magazin“, dieses Projekt gemeinsam zu initiieren und dabei auch das gemeinsame Potential der Leser und Abonnenten in die Waagschale zu werfen. Heiligabend 2009 wurde die Domain „rettet-die-bahnzeit.de“ registriert, in den folgenden Tagen bis Anfang Januar erfolgte der Aufbau der Webseite, die Erstellung der Inhalte sowie die Vorbereitung der „Postwurfsendung“. Einen Tag vor dem offiziellen Start der Seite wurden in einer Rundmail über 50 Webseitenbetreuer, Forenadministratoren und private Internetseitenbetreiber über die Aktion informiert und diese um Verlinkung zur Projektseite gebeten.

Das Unterstützungsprojekt läuft weiter

Rund zwei Wochen nach dem Start des Projektes wurde auf der online geführten Unterschriftenliste der Unterstützer die 2000. bestätigte Unterschrift registriert. Auch danach hielt der Zuspruch zur Aktion zielstrebig an, zum Versandtermin dieses Heftes werden über 2500 Namen in der Liste stehen, die die Ziele und Forderungen der Aktion unterstützen. Verschiedene Aktivitäten zur weiteren Verbreiterung des Unterstützerkreises laufen noch, auch Veröffentlichungen in anderen Pressepublikationen werden dazu beitragen.

Doch die Frage „Was ist, wenn sich der MDR nicht bewegt?“ stellen sich natürlich viele, auch die Initiatoren der Aktion „Rettet die Bahnzeit!“. Neben der Aufrechterhaltung eines öffentlichen Drucks auf den MDR durch die weitere Gewinnung von Unterstützern in der Unterschriftenliste liegt der Fokus in den folgenden Wochen auf einem intensiveren Zugang zu den Mitgliedern des MDR-Rundfunkrates.

Der Rundfunkrat vertritt die Interessen der Allgemeinheit auf dem Gebiet des Rundfunks. Er überwacht die Einhaltung des im Staatsvertrag festgelegten Programmauftrages, wählt den Intendanten sowie die Direktoren und berät den Intendanten in allgemeinen Programmangelegenheiten.

Die Mitglieder des Rundfunkrates vertreten dabei die Interessen der Allgemeinheit und sind nicht an Aufträge von Parteien oder Organisationen gebunden.


(Auszug aus der Webseite des Rundfunkrates:
www.mdr.de/mdr-rundfunkrat/6388962.html )

Wir fordern von den Rundfunkratsmitgliedern die Wahrnehmung dieser Aufgaben ein! Die Betonung unserer Forderung liegt immer auf der notwendigen größeren Sichtweise - nicht die Bedienung eines Klientelinteresses für Eisenbahnfans, sondern die Unterstützung der wirtschaftlichen Lebensfähigkeit ganzer Regionen von touristischen Einrichtungen ist die tatsächliche Wirkung von Sendungen wie der MDR-Bahnzeit. Wir brauchen eine Sendung, die auf die Attraktivität der Bahnen, Museen und Vereinsaktivitäten hinweist, damit verdienen im Sendegebiet viele Menschen ihr tägliches Brot!

Wie ist eigentlich die Einstellung der Sendereihe „MDR-Bahnzeit“ mit den Regelungen des MDR-Staatsvertrages zu vereinbaren? (Auszug)

§ 6 Programmauftrag

  • (1) Der MDR hat in seinen Sendungen einen objektiven und umfassenden Überblick über das (…) länderbezogene Geschehen in allen wesentlichen Lebensbereichen zu geben. Sein Programm soll der Information und Bildung sowie der Beratung und Unterhaltung dienen und hat dem kulturellen Auftrag des Rundfunks zu entsprechen. Er dient der freien individuellen und öffentlichen Meinungsbildung.
  • (2) Die Gliederung des Sendegebietes in Länder ist auch in den gemeinsam veranstalteten Programmen angemessen zu berücksichtigen.
  • (3) Die Sendungen des MDR haben den Belangen aller Bevölkerungsgruppen, auch der Minderheiten, Rechnung zu tragen.
  • (4) …

Die Übernahme der SWR-Sendung „Eisenbahn-Romantik“, so interessant diese sein mag, erfüllt einen Ersatzanspruch in keiner Weise.
Auch die Argumentation des MDR mit den Quoten der „MDR-Bahnzeit“ ist im übrigen sehr geschickt - sie ist von Außenstehenden in keiner Weise überprüfbar. Ein klassisches Totschlagargument - oder die Rundfunkräte fordern, diese Zahlen zur Prüfung vorgelegt zu bekommen!

Liebe Leser, unterstützen Sie bitte die Aktion weiter, reichen Sie die Protestkarten an den MDR in der Familie weiter, tragen Sie sich auf unserer Unterstützerliste ein, empfehlen Sie das Projekt weiter! Haben Sie selbst keinen Internetzugang, geben Sie uns ihre „Stimme“ telefonisch über die Geschäftsstelle in Jöhstadt. Und sollten Sie jemanden kennen, der Zugang z.B. zur lokalen Presse oder anderen Medien hat: Wenden Sie sich bitte an uns oder verweisen Sie auf das umfangreiche Material auf www.rettet-die-bahnzeit.de. Gemeinsam haben wir die Kraft, den MDR zum Umlenken zu bewegen!
Jörg Müller


PK 2/2010

Zuschaueraktion läuft weiter!

Seit dem Start der Internetseite „www.rettet-die-bahnzeit.de“ am 14. Januar 2010 haben sich bis Anfang April bereits über 3800 Menschen mit ihre Stimme und sehr oft auch einem fundierten Kommentar gegen die Entscheidung des Mitteldeutschen Rundfunks gewandt, die beliebte Sendereihe „MDR-Bahnzeit“ einzustellen. Am 11. Dezember 2009 hatte der Fernsehsender im Abspann der 99. Sendung lapidar mitgeteilt, daß dies die letzte Folge der seit Januar 2001 in monatlicher Sequenz ausgestrahlten halbstündigen Produktion sei.

Dagegen hatte sich unmittelbarer unkoordinierter Widerspruch geregt, rund 350 Protestbekundungen sollen schon bis Anfang Januar in Leipzig eingegangen sein. Durch die Chefredakteure von „Preß´-Kurier“ und „Dampfbahn-Magazin“ wurde die Aktion gestartet, um diesem Protest eine gemeinsame Plattform zu bieten, Unentschlossenen die Breite des Protests vor Augen zu führen und insbesondere dem MDR mit klaren Argumenten aufzuzeigen, daß die getroffene Entscheidung falsch war.

Eine mindestens gleich große Postlawine wie mit der Online-Unterschriftenliste ist auf dem Schreibtisch des Intendanten gelandet - egal ob vorbereitete Protestpostkarten oder teils umfangreiche persönlich formulierte Briefe. Wie aus „gut unterrichteten Kreisen“ zu vernehmen war, hat dies für erheblichen Wirbel in der Zentrale der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt der Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen gesorgt.

Was hat sich bisher getan?

Zunächst wurde durch die MDR-Zuschauerredaktion mit Standardformulierungen auf Briefe und E-Mails reagiert (siehe Beitrag im PK 112). Keine Antwort des MDR enthielt bisher eine konkrete Reaktion auf vorgetragene Argumente. Selbst auf das Schreiben von Helge Scholz und Jörg Müller an den Intendanten schickte in dessen Auftrag der MDR-Chefredakteur Wolfgang Kenntemich eine Antwort, die sich bis auf Anschrift und Unterschrift in keiner Silbe von den Schreiben der Zuschauerredaktion unterschied. Peinlich für ein Medienunternehmen, kann man da nur konstatieren.

In einem noch einmal mit Fakten versehenem Antwortbrief an den Intendanten, Prof. Udo Reiter, und den Chefredakteur wurde von den beiden Initiatoren um eine Prüfung der Absetzung der Bahnzeit gebeten. Als Reaktion darauf ging ein Brief des MDR-Unternehmenssprechers ein, der wiederum keine Beantwortung der aufgestellten Fragen bot. Lediglich die Aufnahme eines monatlichen 10- bis 15-minütigen Schmalspurbahnberichtsblockes im Rahmen der MDR-Sendung „hier ab vier“ wurde als konkreter Ansatz in Aussicht gestellt.

Auf eine Antwort vom Intendanten und vom Chefredakteur warten die zahlreichen Briefschreiber, nicht nur die Initiatoren der Aktion „Rettet die Bahnzeit!“, noch immer. Das Ignorieren der Zuschauer in bester Ausprägung - einer durch die Finanzierung seiner Zuschauer gesicherten öffentlichen Einrichtung absolut unwürdig, Herr Prof. Reiter!

Über den laufenden Schriftwechsel und den Eingang der Schreiben wurde auf der Aktionsseite „www.rettet-die-bahnzeit.de“ in regelmäßigen „Tagebuch“-Einträgen berichtet und die jeweiligen Schreiben zum Nachlesen im „Briefkasten“ veröffentlicht.

Weiterhin erhielten auch zahlreiche Mitglieder des Rundfunkrates per Brief die Bitte übermittelt, sich im Rahmen der Aufgaben und Möglichkeiten des Rundfunkrates für eine regelmäßige Eisenbahnsendung einzusetzen.

In den Mitte März stattgefundenen Beratungen des Fernsehausschusses (einem „Fachgremium“ des Rundfunkrates) sowie des gesamten 43köpfigen Rundfunkrates wurde die „MDR-Bahnzeit“ dann auch durch einige Rundfunkratsmitglieder thematisiert und teils sehr deutlicher Unmut gegenüber den Programmverantwortlichen zum Ausdruck gebracht. Gleichwohl gab es auch von dieser Beratung des Gremiums keine greifbaren öffentlichen Verlautbarungen oder gar eine Beschlußfassung, so daß die in Einzelgesprächen verschiedener Teilnehmer aufgekommenen Lösungsansätze und Ideen bisher keinerlei Verbindlichkeit ausstrahlen. Nach wie vor ist das Bemühen des MDR darauf ausgerichtet, die Relevanz der Sendung und der Zuschauerreaktionen auf die Einstellung der Sendung herunterzuspielen. Interessant ist natürlich, daß seitens der MDR-Führung sofort „Verschwörungstheorien“ über die Beweggründe der Aktionsinitiatoren aufkamen - zumindest waren wohl einige Rundfunkratsmitglieder mit Fragen in dieser Richtung konfrontiert.

In einem persönlichen Gespräch mit dem Rundfunkratsvorsitzenden Johannes Jehnichen stellte Jörg Müller diesem am 19. März die Argumente und Ziele der Aktion und der mehrere Tausenden Zuschauer vor. Das Gespräch bot natürlich auch die Möglichkeit, unscharfe und auf falschen Informationen seitens des MDR basierenden Kenntnisse zu präzisieren. So argumentierte der MDR gegenüber dem Rundfunkrat unter anderem damit, daß es sich bei der MDR-Bahnzeit um eine derartige fachspezifische Sendung handele, daß der MDR aufgrund der geringen Relevanz für die Bevölkerung diese aus dem Programm genommen hätte. Das Gespräch hat sicherlich beidseitig geholfen, die Aufgaben und Möglichkeiten des Rundfunkrates auch im Zusammenhang mit der Sendung „MDR-Bahnzeit“ besser zu verstehen. Herr Jehnichen bestätigte jedenfalls, daß sich der Rundfunkrat seiner Aufgabe bewußt sei - und auch weiterhin bei diesem Thema gegenüber dem MDR-Management nachhaken werde.

Eine besondere Bitte zum „Nachhaken“ bezog sich auf die tatsächlichen Einschaltquoten der Sendung. Inzwischen besteht die Vermutung, daß innerhalb des Hauses „mit gezinkten Karten“ gespielt werden könnte und unter Umständen auch dem Intendanten die tatsächlichen Werte nicht vorlägen - schließlich handelt es sich hierbei um das hauptsächliche Totschlagargument der Rundfunkanstalt.

Gibt es Aussicht auf Besserung?

Es besteht der berechtigte Anlaß zu der Hoffnung, daß die Aktion ein Umdenken beflügeln könnte. Neben den öffentlich bekannten Aktivitäten sind tatsächlich auf verschiedenen Ebenen gesellschaftlicher und politischer Organisationen Menschen auf das Thema aufmerksam geworden. Die Erkenntnis, daß die Eisenbahnen im Heimatsendegebiet des MDR zu einem tragfähigen Pfeiler der Tourismuswirtschaft geworden sind und damit konkret Arbeitsplätze von Menschen unter anderem von einer regelmäßigen Berichterstattung im Fernsehen abhängen, hat bereits zahlreiche Menschen in verantwortlichen Positionen erreicht. Nur leider im Hause MDR noch nicht.

Deshalb kann es noch keinen Stop der Aktion „Rettet die Bahnzeit!“ geben. Auch wenn das über die Internetseite „www.rettet-die-bahnzeit.de“ erreichbare Potential für die Unterschriftenseite vielleicht weitgehend ausgereizt erscheint, können wir noch weitere Menschen für die Unterstützung der Aktion gewinnen. Ideen haben wir noch einige im Köcher … Nach wie vor besteht von den Initiatoren keinerlei Interesse, eine „Schlammschlacht“ oder „Kampagne“ gegen den MDR zu führen - auch wenn man damit wahrscheinlich in der nur noch auf Katastrophen und Skandale orientierten Medienwelt schneller Gehör gefunden hätte. Die Argumente pro „MDR-Bahnzeit“ sind fundiert genug - es bedarf damit auch keines „inszenierten Skandals“.

Doch wir werden auch an geeigneter Stelle - der Legislative der Länder - die selbstherrliche Ignoranz der Verantwortlichen der Rundfunkanstalt hinterfragen und zu einer Positionierung auffordern. Trotz anlaufendem Personalroulett und anstehender Pensionierung von Programmdirektor, Chefredakteur und weiteren Personalien sowie internem Kleinkrieg zwischen „Fürstentümern“ erwarten die mündigen Zuschauer und Finanziers der Anstalt Beachtung. Selbstherrlichkeit ist fehl am Platze, wenn sich Zuschauer in einem bisher nicht dagewesenen Umfang für eine Sendung stark machen und damit eine einzigartige Zuschauerbindung verdeutlichen.

Bis zum Sommer werden die Weichen für die künftige Programmstruktur gestellt. Bis dahin werden wir mindestens Präsenz zeigen, damit die Notwendigkeit einer regelmäßigen Eisenbahnsendung in steter Erinnerung bleibt. Ein erster Lichtblick in diesem Sinne war ja das Nachmittagsprogramm am Karfreitag. Da bot der MDR ein zweieinhalbstündiges Eisenbahnprogramm. Die guten Quoten zeigten, daß der MDR seine Zuschauer nicht zu Tode gelangweilt hat - und das weitgehend mit Archivmaterial von Dreharbeiten zu 99 Folgen „MDR-Bahnzeit“.
Jörg Müller


PK 3/2010

Öffentliche Wahrnehmung steigt - Bewegung beim MDR erkennbar

Auch ohne sensationsheischende Polemik ist es in den Monaten April und Mai gelungen, das Anliegen der Aktion „Rettet die Bahnzeit“ einer breiteren Öffentlichkeit bekanntzumachen. Die gemeinsam von den Herausgebern und Chefredakteuren der Zeitschriften „Der Preß´-Kurier“ und „Dampfbahn-Magazin“ initiierte Zuschaueraktion gegen die Einstellung der beliebten Sendereihe „MDR-Bahnzeit“ wird von mehreren Tausend Zuschauern unterstützt. Die auf der Aktionsseite www.rettet-die-bahnzeit.de deutlich gewordene große Breitenwirkung des Protestes ist inzwischen auch bei den verantwortlichen Politikern angekommen – zumindest im Freistaat Sachsen. Verschiedene Äußerungen von Vertretern politischer Parteien und Verbände lassen diesen Schluß zu. Erste Anzeichen von Bewegung zu dem Thema „Eisenbahn im Fernsehen“ sind auch beim MDR zu erkennen, geradezu unheimlich wurde die Präsenz ja zu Ostern und Pfingsten.

Zeitschrift „Super TV“: Bahnfans machen dem MDR Dampf

Anfang Mai brachte die deutschlandweit erscheinende Fernsehzeitschrift „Super TV“ einen ganzseitigen Bericht über die Aktion – und damit nochmals einen Schub bei den Neueintragungen in der Unterschriftenliste auf der Internetseite. Daß in einer überregionalen Zeitschrift das Thema (ohne Zutun der Initiatoren) aufgegriffen wurde, ist sicherlich den inzwischen über 4000 Zuschauerstimmen zu verdanken, die einen bisher in der deutschen Fernsehgeschichte einmaligen Zuspruch für eine Fernsehsendung zum Ausdruck bringen.

Im Vorgespräch mit dem verantwortlichen Redakteur der „Super TV“ Axel Ehrlich zeigte sich dieser sehr erstaunt, daß es keine Protestaktionen „mit Pauken und Trompeten“ gebe. Doch das Konzept, den MDR nicht zu provozieren, sondern die positive Zuschauerbindung der Interessenten der Sendereihe „MDR-Bahnzeit“ herauszustellen, fand schließlich auch er nachvollziehbar. Schließlich gäbe es ja auch beim MDR eisenbahninteressierte Menschen.

Präsenz des Themas in politischen Runden

Eines der wesentlichsten Ziele der Initiatoren kann bereits als „erfüllt“ verbucht werden: Das deutlich wahrnehmbare Votum der im Internet akquirierbaren Eisenbahnfreunde für die Sendung „MDR-Bahnzeit“ und des mit der Sendung praktizierten redaktionellen Konzepts eines Mixes von Eisenbahnthemen mit touristischen Empfehlungen für die jeweilige Region ist bei Entscheidungsträgern (außerhalb des MDR) angekommen. Das Nachstoßen vieler Unterstützer der Aktion mit Briefen, E-Mails und in persönlichen Gesprächen bei Landräten, Bürgermeistern sowie Abgeordneten brachte ein Präsenz der Thematik „Eisenbahn in den Medien“, die bei den Ansprechpartnern unweigerlich im Gedächtnis bleiben mußte. Bei verschiedenen Veranstaltungen im Mai wurde dies deutlich. Die in Sachsen traditionell zu verschiedenen Schwerpunkten veranstalteten parlamentarischen Abende bieten einen guten Ansatzpunkt für die Vertreter der jeweiligen „Wirtschaftsgebiete“ mit den Volksvertretern und Personen aus Verwaltungen und Organisationen ins Gespräch zu kommen. Sowohl die medienpolitische Veranstaltung des MDR in Dresden wie auch der durch den Landestourismusverband Sachsen e.V. (LTV) in Radebeul veranstaltete Abend gingen nicht ohne verschiedentliche Anmerkungen über die Bühne.

In Radebeul nannte es der Präsident des LTV, MdB Andreas Lämmel, in seiner Begrüßungsrede wortwörtlich falsch und kurzsichtig seitens des MDR, die „MDR-Bahnzeit“ einzustellen. Deutliches Raunen im Auditorium und zustimmenden Beifall erntete diese klare Ansage auch in Richtung der anwesenden verantwortlichen Vertreter des Mitteldeutschen Rundfunks. Dort wirkten die Worte eher wie Flohpulver. Insbesondere machte Andreas Lämmel dies daran deutlich, daß es die Bemühungen um eine zielstrebige Verbesserung der touristischen Nutzung der Eisenbahnattraktionen im Freistaat regelrecht konterkarierte. Aus den Kreisen von anwesenden Rundfunkräten verschiedener Organisationen war zu vernehmen, daß dieses Thema weiterhin in den Gremien des MDR auf der Tagesordnung steht – auch wenn es trotz dieser Bemühungen vielleicht letztendlich nicht mehr „die MDR-Bahnzeit“ geben wird. Genau dieser Bekanntheitsgrad des Themas „Eisenbahn“ ganz allgemein bei den Entscheidern aus Politik und Verwaltung ist es aber, der berechtigt, von einem Erfolg der Aktion durch die große Zahl der Unterstützer zu sprechen.

„Faszination Dampflok“ – „Auf schmaler Spur“

Mit zwei interessanten Themenüberschriften ging der MDR zu Ostern und Pfingsten ins Rennen, die Eisenbahnfreunde zurück zu den Fernsehern zu holen. Während das Osterprogramm noch weitgehend aus einem Zusammenschnitt von Wiederholungen bestand, war vor und nach Pfingsten die Preßnitztalbahn „auf schmaler Spur“ präsent. Das bekannte Bahnzeit-Produktionsteam um Autor und Redakteur Christian Görzel präsentierte den bewährten Mix aus einer Verknüpfung von Eisenbahn in schönen Bildern mit Landschaft, touristischen Empfehlungen und stimmiger Atmosphäre. Nach den fünf Kurzberichten in der Sendung „Hier ab Vier“ in der Woche vor Pfingsten wurde der etwas erweiterte Zusammenschnitt des Materials gleich im Wochenabstand wiederholt.

Man könnte sich ob dieser Situation schon fast entspannt zurücklehnen – wenn es denn eine genaue Perspektive gäbe. Während „Faszination Dampflok“ den Bogen auch über die Regelspur und dampffreie Eisenbahnen spannte, erscheint rein thematisch „Auf schmaler Spur“ eher beengt. Zwar wurde die Berichterstattung zum Pfingstfest aus Jöhstadt als „erste Sendung unserer neuen Folge“ angekündigt – doch in welchem Zyklus diese zukünftig gesendet werden soll, ist noch nicht nach außen gedrungen. Der Dank gilt auf jeden Fall den Mitarbeitern des MDR die sich dieses Themas angenommen haben – „Auf schmaler Spur“ kam aus dem gleichen Redaktionsumfeld wie die bei Modelleisenbahnern sehr beliebte (aber auch zu selten gesendete) Sendung „Auf kleiner Spur“. Warum die Redaktion „Wirtschaft“ sich dieses Thema von der Abteilung „Familie/Nachmittag“ aber aus der Hand nehmen lassen hat, ist schwer zu verstehen.

Schwer zu verstehen ist auch nach wie vor die Argumentationslage des MDR. Immer deutlicher wird, daß sich das Management offenbar erst bemüßigt fühlte, sich für die Einstellung der „MDR-Bahnzeit“ eine Begründung zu konstruieren, als der Protest dagegen nicht verebbte. Doch soviel konnte inzwischen nachvollzogen werden: Weder eine „grottenschlechte Quote“ (auf dem eigentlich eisenbahnfanunfreundlichen Sendeplatz) noch „enorme Produktionskosten“ sind nachweisbare Gründe. Rundfunkräte berichten, daß der Fernsehdirektor seit Monaten den geforderten Quotenvergleich schuldig ist. Die Produktionskosten der Sendung dagegen riefen nur ein müdes Lächeln hervor – anstelle mancher MDR-Produktion könnte man die „MDR-Bahnzeit“ für mehrere Jahre geliefert bekommen. Das ausgestreute „Bahnzeit-Flohpulver“ wirkt – wir werden es weiter in Umlauf halten.
Jörg Müller


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