René Wölfel, Andreas W. Petrak, André Marks:

Asch – Roßbach – Adorf
Lokalbahn im Dreiländereck Böhmen/Sachsen/Bayern

224 Seiten 21 x 26 cm gebunden im Hartpappeinband, ca. 550 Abbildungen, Karten und Pläne, edition bohemica & Bahn Brücke Verlag, Goldkronach 2014, ISBN: 978-3-940819-03-1, Preis: 49,50 Euro

Langjährige PK-Leser werden sich unter Umständen noch daran erinnern: Im Jahr 2000 veröffentlichten Andreas Petrak und André Marks z. B. im PK 52 erste Berichte über die einst grenzüberschreitende Regelspurstrecke vom böhmischen Asch über Roßbach in Böhmen nach Adorf im Vogtland. Damals beschlossen die beiden Autoren, über diese Linie gemeinsam ein Buchmanuskript zu verfassen. Im Herbst 2014 war es nun soweit: Innerhalb der gemeinsamen Reihe „Unterwegs nach Europa“ von Andreas W. Petraks „edition bohemica“ und Michael Hempels „Bahn Brücke Verlag“ erschien als Band 2 eine Monographie über diese knapp 26 km lange Lokalbahn mit ihrer wechselvollen Geschichte.

Geschichte – das ist zugleich ein Schlagwort, welches sich ein potentieller Käufer dieses Buches stets vor Augen halten sollte: Als studierte Historiker bzw. Archivare war es Petrak und Marks gemeinsam mit René Wölfel wichtig, den Lesern auch die komplizierten geschichtlichen und politischen Zusammenhänge der Region zu erläutern. Wer also ein reines Eisenbahnbuch erwartet, welches im Schwerpunkt seitenweise Lok- und Wagennummern enthält, der sollte die Finger von dieser Publikation lassen. Wer jedoch auch an der Geschichte des Ascher Landes interessiert ist und verstehen will, wieso es den damaligen deutschen Bewohnern gelang, die einzige grenzüberschreitende österreichische Eisenbahn nach Sachsen zu bauen, der sollte sich das Werk keinesfalls entgehen lassen.

Doch die Autoren enden keinesfalls mit der Vertreibung der deutschen Bevölkerung und Einstellung des Bahnbetriebes nach Adorf 1945, sondern skizzieren auch die weitere Entwicklung der Stichbahn ins phantasielos von den tschechischen Neubürgern 1947 in „Hranice v Cechach“ (Grenzort in Böhmen) umbenannte Roßbach bis heute. Dafür lieferte der Sohn eines von den Tschechen gezielt nicht vertriebenen Ingenieurs, René Wölfel, wertvolle Zuarbeiten. Andere Teile trug Andreas W. Petrak hingegen mühevoll z. B. in den Archiven in Wien, Prag, Pilsen und Rehau zusammen, anfangs unterstützt von André Marks.

Niedergeschrieben hat das gesammelte Wissen letztendlich komplett Andreas W. Petrak in seinem etwas ungewöhnlichen heutigen Stil: Er schreibt altösterreichisch, weshalb er Ortsnamen adjektiviert (der roßbacher Bahnhof, nicht Roßbacher Bahnhof) und altösterreichische Fachbegriffe wie Manipulationszug anstatt Güterzug verwendet. Wer diesen Stil noch nicht kennt, wird im ersten Moment stutzen, es dann aber genießen, auf diese authentische Art und Weise in die Geschichte dieser liebeswerten Lokalbahn einzusteigen.

Anders als die heute allerorts verlegten Bildbände bietet das vorgestellte Buch ausführliche Beschreibungen jeder Station, Gleispläne, Gebäudeskizzen und überraschend viele Aufnahmen aus der Dampflokzeit, so dass kaum eine Frage oder ein Wunsch offen bleiben. Fast erschlagen wird der Leser von der Menge an Aufnahmen – schnell ist man zum Urteil verleitet: „Weniger wäre mehr gewesen!“ Doch zu dieser Lokalbahn wird es vermutlich nie wieder ein Buch geben, deshalb hat Petrak nur auf wenige Motive verzichtet. Kritisch ist leider auch die verwendete Schriftgröße der Illustrationslegenden – wobei es schön gewesen wäre, wenn das Wort „Größe“ berechtigt wäre … Dazu erklärt der Hauptautor und Buchgestalter in einer Person, nur so den Umfang des Werkes auf 224 Seiten begrenzen zu können.

Nicht entkräften kann er den Kritikpunkt, dass ein Überblick zu den wichtigsten Ereignissen der Streckengeschichte (Eröffnung am 26. September 1885 bis Roßbach, bis Adorf am 18. September 1906, Einstellung Roßbach – Adorf am …) fehlt. Wer schnell nach den wichtigsten Daten zur Streckengeschichte sucht, wird verzweifeln.

Fazit:
Eine Wucht an Informationen und Fotos auf 224 Seiten über eine nur 26 km lange Lokalbahn zwischen Böhmen und Sachsen – für Kenner und Liebhaber der Region ein Muss, für oberflächlich interessierte Eisenbahnfreunde ist das Buch hingegen eher nicht geeignet.
Volker Krehut


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