Im Jahre 1873 wurde Oybin in den Verband der sächsischen Sommerfrischen aufgenommen. Da man bis dahin in die Gebirgsorte nur mit der Postkutsche reisen konnte, ist es nicht verwunderlich, daß man sich Gedanken über die Erreichbarkeit dieser Orte machte. Einen ersten Anstoß für den Bau einer schmalspurigen Eisenbahn gab Oberbaurat Christian Theodor Sorge in seiner Denkschrift "Die Secundärbahn in ihrer Bedeutung und Anwendung für das Königreich Sachsen". Diese Denkschrift blieb aber zunächst unbeantwortet.

Im März 1884 richtete der Gebirgsverein eine Petition an den sächsischen Landtag. Im April wurde ein Bahnkomitee gegründet und um das Verfahren abzukürzen der Vorschlag unterbreitet, die Bahn privat zu bauen. Im September 1884 erhielt man daraufhin die Konzession für Vorarbeiten, aber erst im März 1886 die Genehmigung zum Grunderwerb und gar erst Anfang 1888 die Genehmigung zum Bahnbau.

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99 760 (DBAG 099 733) ist mit einem Zug in Jonsdorf angekommen

So ganz traute man dem Unternehmen als Privatbahn wohl nicht und verband die Genehmigung zum Bahnbau mit mehreren Auflagen. Die Bahn mußte nach den Richtlinien sächsischer Schmalspurbahnen gebaut werden, die Betriebsführung hatte durch die sächsischen Staatsbahnen zu erfolgen, die Bauzeit hatte 18 Monate nicht zu überschreiten und letztlich behielt sich der Staat die Übernahme der Bahn jederzeit vor. Daraufhin wurde die Zittau-Oybin-Jonsdorfer Eisenbahngesellschaft gegründet (ZOJE). Unter diesem Namen ist die Bahn auch bekannt geworden.

Im Sommer 1889 war Baubeginn. Am 25. November 1890 wurde die Bahn offiziell eröffnet. An diesem Tag verließ auch die letzte Postkutsche Oybin. Der Festzug konnte aber nur bis Bertsdorf verkehren da ein Unwetter die Strecken nach Jonsdorf und Oybin unbefahrbar machte. Erst am 15. Dezember 1890 konnten Oybin und Jonsdorf angefahren werden. Prominentester Fahrgast auf der ZOJE war 1905 der sächsische König Friedrich August III..

Da zu Beginn der ZOJE nur sieben Personenwagen zur Verfügung standen, mußten am Wochenende auch Güterwagen zum Transport der Ausflügler eingesetzt werden. Trotz guter Auslastung der Züge reichten die erwirtschafteten Überschüsse nicht aus, um den Fahrzeugpark zu erweitern. Letztlich mußte Die ZOJE aufgeben und wurde zum 1.Juli 1906 verstaatlicht.

Mit der Verstaatlichung änderte sich auf der ZOJE außer den Fahrpreisen zunächst nicht viel, hatten die Staatsbahnen doch schon vorher den Betrieb geführt. Schon im ersten Jahr wurden satte Gewinne eingefahren. Trotz der besseren Betriebssituation konnten aber auch die Staatsbahnen den Ansturm von Ausflüglern an Wochenenden und Feiertagen nicht bewältigen. So faßte am 6. Mai 1910 die zweite Kammer des sächsischen Landtages den Beschluß, die Strecke Zittau-Vorstadt - Oybin zweigleisig auszubauen. Dieser wurde von der ersten Kammer genehmigt. 1911 begann der Grunderwerb für den Ausbau und am 15. April 1913 konnte der zweigleisige Streckenabschnitt übergeben werden. An den Wochenenden wurde nach einem Taktfahrplan gefahren. Seine größte Bewährungsprobe hatte die Bahn dabei zu Pfingsten 1914 zu bestehen. Um den Ansturm bewältigen zu können, fuhr alle zehn Minuten ein Zug Richtung Oybin!

In den Folgejahren gab es viele Pläne, von denen aber nur sehr wenige realisiert wurden. In dieser Zeit gab es wenige Höhepunkte in der Geschichte der Bahn. Kriegsbedingt ging die Bedeutung der Bahn zurück. Im Winter 1943/44 wurde das zweite Gleis zwischen Bertsdorf und Oybin abgebaut. Nach Bombardierung eines Zuges wurde der Verkehr am 7. Mai 1945 eingestellt und erst am 21. Mai 1945 wieder aufgenommen. Nach den Reparationsleistungen im August 45 blieben nur noch zwei Loks in Zittau, nur eine davon war betriebsfähig. Am 26. November 1946 begann der Rückbau des zweiten Gleises zwischen Zittau-Vorstadt und Bertsdorf. Der Lokpark wurde nach und nach von anderen Bahnen wieder aufgefüllt. Damit gab es im Personenverkehr erneut einen Aufschwung.

Bereits ab 1959 begann schrittweise der Verkehrsträgerwechsel im Güterverkehr. Bis 1981 wurde gleichfalls schrittweise über einen längeren Zeitraum vollständig der vereinfachte Nebenbahnbetrieb eingeführt. Auch wenn die Bahn laut Ministerratsbeschluß aus dem Jahr 1972 zu den zu erhaltenden Schmalspurbahnen gehörte, sollte sie dem Kohlebagger zum Opfer fallen. Ab etwa Mitte der achtziger Jahre wurden nur noch die notwendigsten Arbeiten zu Erhaltung durchgeführt. Erstaunlicherweise bekam der Bahnhof Bertsdorf noch 1987 oder 1988 aus Richtung Zittau ein Einfahrlichtsignal, welches ein mechanisches Flügelsignal ersetzte. Trotzdem sollte der Personenverkehr zum Sommerfahrplanwechsel 1990 eingestellt werden. Durch die politische Wende wurde dies verhindert. Stattdessen wurde der einhundertste Geburtstag ein halbes Jahr vorverlegt und ein großes Bahnhofsfest gefeiert.

Trotzdem mußte der Verkehr kurze Zeit später für einige Monate vollständig eingestellt werden. Der Oberbau war so verschlissen, daß er zum großen Teil komplett erneuert werden mußte. Nun fuhr sie also wieder, jedoch hatte sich das Reiseverhalten durch die Grenzöffnungen so verändert, daß der Bahn nunmehr die Fahrgäste fehlten. Langfristig war deshalb klar, daß die nunmehr betriebsführende Deutsche Bahn AG den Betrieb nicht mehr lange durchführen würde.

Aus der Erkenntnis, daß die Bahn ein wichtiger Tourismusmagnet für die Region ist und deshalb erhalten werden sollte, wurde die Sächsisch-Oberlausitzer- Eisenbahngesellschaft (SOEG) gegründet, welche nach mehrfachem Anlauf zum 01.12.1996 die Betriebsführung der Bahn als regionales Verkehrsunternehmen übernahm. Damit verbunden waren Einschränkungen im Zugverkehr, jedoch wurden die zuletzt durch die DBAG stark an der Nachfrage vorbeigehenden Fahrpreise gesenkt. Das führte trotz der Einschränkungen wieder zu einem leichten Anstieg der Fahgastzahlen. In Zukunft sollen auf der Bahn moderne Triebwagen zum Einsatz kommen, der Dampfbetrieb soll aber langfristig erhalten werden.




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