Literatur zur Zittauer Schmalspurbahn

Nachdem in den letzten Jahren verschiedene Publikationen zu einzelnen sächsischen Schmalspurbahnen erschienen sind, ist nun auch zur Geschichte der Zittauer Schmalspurbahn Literatur erschienen und das gleich doppelt. Offensichtlich hatten da zwei Autoren zur gleichen Zeit dieselbe Idee.

Thomas Knop:
Schmalspurbahn Zittau - Oybin/Jonsdorf

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Reiner Preuß:
Die Zittau - Oybin - Jonsdorfer Eisenbahn

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Thomas Knop: Schmalspurbahn Zittau - Oybin/Jonsdorf
Verlag Ingrid Zeunert
128 Seiten Paperback A5, 174 Fotos davon 157 in Farbe, 13 Bahnhofspläne, 10 Fahrzeugzeichnungen, 8 sonstige Zeichnungen ISBN 3-924335-24-7 Preis: 29,50 DM

Thomas Knop beschreibt in seinem Buch beginnend mit einer allgemeinen Einführung zur Entstehung der sächsischen Schmalspurbahnen die Entwicklung der als Privatbahn gebauten Schmalspurbahn von Zittau nach Oybin/Jonsdorf. Sehr ausführlich gestaltet sich dabei auch die Vorgeschichte des Bahnbaus sowie der Bau selbst und die ersten Betriebsjahre. Bis hin zur Betriebsführung durch die SOEG ist die Geschichte der Bahn vollständig nachvollzogen.

Positiv zu bewerten ist, daß auch zur zweiten von Zittau ausgehenden Strecke einige Ausführungen gemacht werden. Vielleicht wäre es aber günstiger gewesen, dieser Strecke ein eigenes Kapitel zu widmen.

Weiterhin ist in dem Buch eine ausführliche Streckenbeschreibung, auch mit Gleisplänen einzelner Bahnhöfe enthalten. Die Zeichnungen weisen dabei durchgehend eine sehr gute Qualität auf. Leider scheint die Streckenbeschreibung aber schon vor längerer Zeit ausgearbeitet worden zu sein. Bei den umfangreichen Veränderungen im Umfeld der Bahn in den letzten Jahren wäre es angebracht gewesen viele Aussagen zu überprüfen, da sie nicht mehr zutreffen.

Das Buch ist mit vielen Farb- und einigen Schwarz/weiß-Fotos illustriert, die aus dem Umfeld des Autoren stammen und ihm bescheinigen, daß er eine gewisse Beziehung zur Bahngeschichte hat. Historische Fotos sind allerdings Mangelware. Die Fotos haben durchgehend eine gute Qualität. Warum die neuesten Bilder aber aus dem Jahre 1993 stammen, läßt sich nicht nachvollziehen. Gerade in den letzten Jahren gab es viele dokumentierbare Veränderungen. Leider geben die Bildunterschriften Anlaß zur Kritik. Bei vielen Bildern sind diese falsch. Der Autor scheint das System der Umzeichnung der Loknummern im Vorfeld der Vereinigung beider deutscher Bahnverwaltungen nicht verstanden zu haben. Dies ist für einen Fachbuchautoren unverzeihlich und hätte auch dem Lektor auffallen müssen!

Die Beschreibung der sächsischen Dampflokbaureihen ist sehr ausführlich ausgefallen, auch auf Dieselfahrzeuge (Triebwagen, Schmalspurdieselloks), Wagen und sogar technische Ausrüstungen wie Bremsen und Kupplungen wird eingegangen. Dazu gibt es viele Maßstabszeichnungen, welche durchweg von sehr hoher Qualität sind.
Bei der Ausführlichkeit zu den Baureihenbeschreibungen I K, II K, IV K, VI K und VII K hätte man aber zumindest erwähnen müssen, daß es auch eine III K und eine V K gab, obwohl beide Baureihen in Zittau nie stationiert waren. Bei der Baureihe VI K fehlt der Hinweis, daß diese Loks ursprünglich für die Heeresfeldbahnen konzipiert und gebaut wurden und erst nach dem 1. Weltkrieg durch die Sächs. St. E. B. kostengünstig erworben wurden, wo sie sich als so gut tauglich erwiesen, daß man sie in größerer Stückzahl nachbauen ließ. Warum zur Baureihe IV K keine Bilder aus Zittau, sondern Bilder von der Döllnitzbahn bzw. Fichtelbergbahn veröffentlicht wurden, bleibt leider ein Geheimnis des Autors. Seit 1997 ist in Zittau wieder eine IV K im regelmäßigen Einsatz.

Auch einige andere Fehler haben sich eingeschlichen wobei die hier vorgestellten lediglich eine kleine Auswahl darstellen.
Auf Seite 93 wird für alle nach Stillegung der Preßnitztalbahn in Mügeln stationierten IV K-Lokomotiven behauptet, sie hätten Druckluftbremsen erhalten. Dies trifft aber nur 99 1574 zu.
Auf Seite 99 steht, daß mit 99 713 und 99 715 nur zwei VI K-Lokomotiven der Nachbauserie erhalten geblieben sind. Auch dies ist nicht wahr, mit 99 716 gibt es noch eine dritte Maschine, diese ist mittlerweile sogar betriebsfähig!
Auf Seite 108 schreibt der Autor der "Interessenverband Zittauer Schmalspurbahnen" hätte die Lok 99 4532 erworben mit dem Ziel sie betriebsfähig aufarbeiten zu lassen. Die Lok gehört jedoch der SOEG und wird vom Interessenverband lediglich betreut. Auch eine betriebsfähige Aufarbeitung ist derzeit eher unwahrscheinlich.

Fazit: Beim Lesen des Buches kommt einem der Verdacht, daß dieses Buch bereits 1993 hätte erscheinen sollen, was aus unbekannten Gründen damals nicht geschah. Bei der Fülle der Veränderungen im Umfeld der Bahn reicht es einfach nicht aus sechs Jahre später zu einem bestehenden Manuskript ein, zugegebenermaßen sehr ausführlichens Kapitel (SOEG), anzufügen, den Rest aber unverändert zu lassen. Auch hätte der Autor gut daran getan, sich Hilfe von einem Kenner der sächsischen Schmalspurbahnen zu sichern, denn ein solcher ist er mit Sicherheit nicht. Die gute Arbeit des Autors wird leider durch sein mangelhaftes Wissen (Bildunterschriften) und die Unaktualität vieler Kapitel arg geschmälert. Da hilft auch der günstige Preis von 29,50 DM nichts. Sein Pech ist es außerdem, daß zeitgleich mit seinem Buch ein weiters Buch zu diesem Thema erschienen ist. Im Vergleich beider Bücher ist das Buch von Thomas Knop leider nur zweite Wahl.


Reiner Preuß: Die Zittau - Oybin - Jonsdorfer Eisenbahn
Verlag Transpress in der Reihe Verkehrsgeschichte
126 Seiten Paperback A5, 124 Fotos davon 38 in Farbe, 11 Bahnhofspläne, 8 Fahrzeugzeichnungen, 4 sonstige Zeichnungen
ISBN 3-613-71107-9 Preis: 29,80 DM

Reiner Preuß ist ein Autor der bereits mit mehreren Eisenbahnbüchern, darunter auch Bücher über die sächsischen Schmalspurbahnen, bekannt geworden ist. Trotzdem er im Gegensatz zu Thomas Knop als Kenner der sächsischen Schmalspurbahnen gelten kann, hat er sich für sein Buch tatkräftige Hilfe bei der SOEG und beim Interessenverband der Zittauer Schmalspurbahnen gesichert. Dadurch hatte er Zugang zu vielen Quellen, die Thomas Knop zwangsläufig verschlossen bleiben mußten. So sind im Buch auch historische Schriften z. B. die "Concessionsbedingungen für die schmalspurige Secundäreisenbahn von Zittau nach Oybin nebst Zweigbahn von Bertsdorf nach Jonsdorf" vollständig wiedergegeben. Auch der hohe Anteil an Schwarz/weiß-Fotos, hier handelt es sich fast ausschließlich um historische Aufnahmen, ist auf diesen Umstand zurückzuführen.

Auch in diesem Buch ist die Geschichte der Bahn vollständig wiedergegeben. Neben dem Kaufvertrag, mit dem die ZOJE zur Staatsbahn wird, wird die Geschichte auch durch Auszüge aus historischen Fahrplänen, Buch- und Bildfahrplänen dokumentiert. Auch die nicht realisierten Projekte sind dargestellt.

Sehr ausführlich ist die Beschreibung der Strecke und ihrer Betriebsstellen ausgefallen. Hierbei ist auch stets die historische Entwicklung der Betriebsstellen mit berücksichtigt. Sogar auf die Betriebsführung wird eingegangen. Sehr sauber gezeichnete Bahnhofspläne machen die Beschreibungen jederzeit nachvollziebar. Auch hier unterstreichen viele historische Fotos die sehr interessanten Ausführungen.

Der Fahrzeugteil ist in diesem Buch vor allem in Bezug auf die sächsischen Dampflokbaureihen relativ knapp ausgefallen. Eine ausführliche Beschreibung der Baureihen war aber sicher nicht Ziel dieses Buches, dafür gibt es bereits gute Literatur. Der Einsatz der Lokomotiven ist an Hand von Tabellen trotzdem vollständig nachvollziehbar, auf Besonderheiten wird eingegangen. Zu einigen Fahrzeugen gibt es Zeichnungen die allesamt sauber gezeichnet, zum Teil aber etwas spärlich beschriftet sind (S.86, S.106). Überaus lobenswert ist das Phanthombild des für die Zittauer Schmalspurbahn bestellten Triebwagens. Dies läßt bereits einen Ausblick auf zukünftige Fahrzeuge zu.

Leider ist auch dieses Buch nicht frei von Fehlern.
Auf Seite 8 ist das Bild seitenverkehrt,
auf S. 18 steht für den ersten Bauzug in Oybin ein anderes Datum im Text als unter dem Bild!
In der Tabelle auf Seite 19 sind für die Betriebsstelle Zittau Vorstadt die Anschließerbezeichnungen vertauscht.(Gruschwitz war später Textima)
Auf S. 47 hat offensichtlich der Druckfehlerteufel zugeschlagen, daß die erste Öllok bereits 1993 und nicht 1996 nach Zittau kam dürfte Reiner Preuß sicherlich geläufig sein.
Gleiches trifft auf die Bildunterschriften auf den Seiten 55 und 57 zu. Die Wartehalle an der Teufelsmühle wurde bereits 1973, nicht 1993 abgerissen und die Betriebsführung wurde durch die SOEG 1996 übernommen, nicht 1994.

Fazit: Mit diesem Buch ist Reiner Preuß ein echter Hit gelungen. Auch wenn man zum Thema sicherlich weit ausschweifender hätte schreiben können, so liegt gerade in der Kompaktheit, mit der die Zittauer Schmalspurbahn beschrieben wird, die große Stärke des Buches. Dazu kommt noch der günstige Preis von 29,80 DM. Dieses Buch sollte bei jedem Schmalspurbahnfreund im Regal stehen!


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