Der Schmalspurtriebwagen VT 137 322

Auf allen heute noch täglich betriebenen sächsischen Schmalspurbahnen gibt es Pläne, den Reiseverkehr durch den Einsatz von modernen Dieseltriebwagen attraktiver zu gestalten. Diese Idee ist aber nicht neu.

Bereits 1938 lieferte die Bautzener Waggonbaufirma Busch 4 Dieseltriebwagen, welche die Betriebsnummern VT 137 322 bis VT 137 325 erhielten, nach Zittau. Diesen vier Fahrzeugen sollte eine Serienfertigung folgen, die wegen des Kriegsausbruchs jedoch unterblieb. Die ursprüngliche Höchsgeschwindigkeit von 60 Km/h konnte im Fahrbetrieb nicht gefahren werden, da bei bereits bei Geschwindigkeiten über 40 Km/h ein Entgleisen drohte. Nach einem Umbau 1939 hatten die Triebwagen nur noch eine Höchstgeschwindigkeit von 45 Km/h. Ursprünglich besaßen die Triebwagen einen weinroten Anstrich mit abgesetzten grauen Streifen.

VT 137 322 in Bertsdorf VT 137 322 in Bertsdorf

VT 137 322 war am Ostersamstag 2000 in Bertsdorf fotogen aufgestellt.

Die Triebwagen wurden ab 7. Juli 1938 sowohl zwischen Zittau und Hermsdorf als auch zwischen Zittau und Oybin/Jonsdorf eingesetzt. Die Triebwagen fuhren meist im Zweierverbund, durch das Vorhandensein einer Vielfachsteuerung war dies problemlos möglich. Bei mehr als zwei Triebwagen mußte jedoch ein zweiter Triebwagenführer mitfahren, da nur eine Steuerung und Überwachung zweier Anlagen möglich war. Die Triebwagen waren bei den Fahrgästen beliebt. Kriegsbedingt endete der Tw-Einsatz bereits am 2. September 1939 wieder, den Treibstoff brauchte nun die Wehrmacht.

1943 verfügte die Wehrmacht die Triebwagen zur RBD Posen wo sie auf mehreren Schmalspurstrecken eingesetzt werden sollten. Auf Grund eines Schadens beim Verladen verblieb jedoch VT 137 322 in Zittau. Tatsächlich gelangte nur VT 137 325 als Triebwagen nach Posen, die VT 137 323 und 324 wurden im RAW Dessau zu Reisezugwagen umgebaut.

Nach Kriegsende wurde VT 137 322 am 16. März 1947 wieder in Betrieb genommen. Da die Ausrüstungen der in Dessau zu Wagen umgebauten Triebwagen noch vorhanden waren, herrschte an Ersatzteilen kein Mangel. 1951 erhielt der Triebwagen einen neuen Rot-Elfenbeinfarbenen Anstrich. Da das Platzangebot des Triebwagens zu gering war, wurden einige Personenwagen zu Beiwagen umgebaut. Diese Wagen erhielten ebenfalls die Farbgebung des Triebwagens und erhielten, gleich dem Triebwagen eine Druckluftbremse.

Von Zittau aus Richtung Oybin/Jonsdorf konnte der Triebwagen nur einen Beiwagen ziehen, talwärts auch mehr. Von Zittau Süd nach Zittau jedoch wieder nur einen Beiwagen. Die zusätzlichen Beiwagen wurden dann jeweils von Regel- oder Güterzügen mitgenommen und in Oybin wieder an den Triebwagen gehangen.

Da der Triebwagen aber das einzige Dieseltriebfahrzeug in Zittau war und deshalb eine eigene Tankanlage benötigte sowie Lokführer, die Triebwagen und Dampflok fahren konnten, genügte ein Bagatellschaden 1964 das Fahrzeug abzustellen. Das Fahrzeug blieb Dank dem Verkehrsmuseum Dresden erhalten, verschwand jedoch für viele Jahre im Lokschuppen in Bertsdorf.

Zur 100 Jahrfeier der Zittauer Schmalspurbahn im Mai 1990 war VT 137 322 dann seit langer Zeit wieder einmal in der Öffentlichkeit zu sehen, bevor er wieder für Jahre im Bertsdorfer Lokschuppen verschwand. Mittlerweile hat der Interessenverband der Zittauer Schmalspurbahnen den Triebwagen wieder in einen optisch ansprechenden Zustand versetzt. So kann er seit Ende 1999 wieder bei Veranstaltungen in der Öffentlichkeit gezeigt werden. Am 22. Mai 2000 konnte der Interessenverband einen Leihvertrag mit dem Verkehrsmuseum Dresden abschließen. Der Interessenverband ist nun für Pflege und Wartung zuständig. Auch eine betriebsfähige Aufarbeitung liegt im Bereich des Möglichen, jedoch stellt das fehlende Betriebsbuch eine hohe Hürde dar. Die Mittel für eine Neuzulassung des Fahrzeugs überstiegen jedoch die Finanzkraft des Interessenverbandes.

Im Jahr 2006 übernahm die SOEG das Fahrzeug und ließ es wieder betriebsfähig aufarbeiten. Auch das Betriebsbuch hatte sich angefunden, so daß der Triebwagen seit August 2007 wieder für Einsätze zur Verfügung steht. Im Jahr 2008 war der Triebwagen auch mehrfach auf anderen sächsischen Schmalspur- und Museumsbahnen zu erleben so auf der Preßnitztalbahn, in Schönheide, beim Lößnitzdackel und in Oschatz!


Am 13. Oktober 2007 wartet der VT in Jonsdorf auf die Rückfahrt nach Bertsdorf

Quellen:
R. Preuß, "Die Zittau - Oybin - Jonsdorfer Eisenbahn"
Eisenbahn-Journal spezial 4/92, Die ZOJE


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